Allgemeines über Antibiotika
Das Zeitalter der Chemotherapie begann mit der klinischen Anwendung von Sulfanilamid im Jahr 1936 und der Penicillinproduktion im Jahr 1941. Seitdem wurden mehr als 100 hochaktive Arzneimittel entwickelt (Kroker et al. 1996).
Klassifizierung von Antibiotika
Antibiotika können auf verschiedene Weise klassifiziert werden. Drei der gebräuchlichsten sind:
- Bakterizid oder bakteriostatisch
- Konzentrations- oder zeitabhängig
- Chemische Klassifizierung
Verfügt ein Antibiotikum über eine bakterizide Wirkung, kann es Bakterien abtöten. Wirkt es dagegen bakteriostatisch, hemmt es lediglich die Vermehrung der Bakterien. Die Eliminierung der Erreger muss bei bakteriostatisch wirkenden Antibiotika das Immunsystem übernehmen. Deshalb muss bei einer Behandlung stets die volle Funktionsfähigkeit des humoralen und des zellulären Abwehrsystems gegeben sein (Kroker et al. 2006).
Eine weitere Möglichkeit der Klassifizierung von Antibiotika ist ihre Konzentrations- bzw. Zeitabhängigkeit. Während der bakterizide oder bakteriostatische Effekt bei konzentrationsabhängigen Antibiotika von der Konzentration des Antibiotikums am Infektionsort abhängt, ist die Wirkung der zeitabhängigen Antibiotika von dem Zeitraum abhängig, währenddessen die Bakterien dem Antibiotikum ausgesetzt sind. Je länger die Exposition, um so besser die Wirkung. Die Konzentration am Infektionsort sollte dabei stets über der minimalen Hemmkonzentration (MHK) [engl.: Minimum Inhibitory Concentration, MIC ] liegen.
Die in der Veterinärmedizin angewendeten Antibiotika können chemisch in sieben Gruppen eingeteilt werden:
1. Aminoglykoside
2. ß-Laktam-Antibiotika
3. Fluorquinolone
4. Sulfonamide
5. Diaminopyrimidine
6. Tetracycline
7. Makrolide
Wirkungsweisen
Das Ziel einer antimikrobiellen Wachstumshemmung (Bakteriostase) oder Lysis (Bakterizidie) ist die Störung bzw. die Unterbrechung des Stoffwechsels von Mikroorganismen. Dabei sind die typischen Stoffwechselwege der Mikroorganismen, die nicht in der Säugetierzelle vorkommen, die selektiven Wirkungsziele. Wechselwirkungen von Antibiotika mit bestimmten Säugetierzellen sind jedoch möglich.
Die Wirkungsziele der verschiedenen Antibiotika sind vor allem die Biosynthese der Bakterienzellwand, die bakterielle Proteinsynthese und die bakterielle DNA -Replikation und –Reparatur.
Eine Übersicht über die Wirkungsweisen und die Wirkungsziele der verschiedenen Antibiotika-Gruppen gibt Tabelle 3.
Kategorie | Wirkstoffe | Wirkungsweise |
Aminoglykoside | Streptomycin,
Kanamycin,
Gentamycin
Neomycin
Spektinomycin
Apramycin | bakteriostatisch/konzentrationsabh. |
ß-Laktam-Antibiotika | Penicilline
Cephalosporine | bakterizid/zeitabhängig |
Fluorquinolone | Enrofloxacin
Difloxacin
Cirofloxacin | bakteriostatisch/konzentrationsabh. |
Sulfonamide | Sulfadimidin
Sulfadiazin
Sulfadoxin | bakteriostatisch/konzentrationsabh. |
Diaminopyrimidine | Diaminopyrimidine | bakteriostatisch/konzentrationsabh. |
Tetracycline | Chlortetracyclin
Oxytetracyclin
Doxycylin | bakterizid/zeitabhängig |
Makrolide | Erythromycin
Tylosin
Tilmicosin
Spiramycin | bakteriostatisch/konzentrationsabh. |