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Cefquinom – Ein neues Antibiotikum für Pferde

Cefquinom ist ein halbsynthetisches Cephalosporin der vierten Generation. Das erste und bisher einzige, das in der Tiermedizin aus dieser Gruppe zugelassen ist. Cefquinom wird bereits seit Jahren erfolgreich bei bakteriellen Erkrankungen in der Rinder- und Schweinemedizin eingesetzt. Seit Ende 2005 ist Cefquinom auch zur Behandlung von Atemwegserkrankungen beim Pferd und von Septikämien beim Fohlen zugelassen. Es kann sowohl intravenös (i.v.) als auch intramuskulär (i.m.) verabreicht werden. Verschiedene Studien haben die gute Verträglichkeit bei erwachsenen Pferde wie auch bei Fohlen bewiesen. So konnten bei einer klinischen Feldstudie, in der 39 septikämische Fohlen über mehrere Tage i.v. und/oder i.m. behandelt wurden, keine lokalen Reaktion an der Injektionsstelle beobachtet werden. Auch dann nicht, wenn dieselbe Muskelinjektionsstelle für zwei oder drei aufeinanderfolgende Behandlungen benutzt wurde (Rohdich et al. 2006).
In einer zweiten Feldstudie wurden 332 Pferde wegen bakterieller Atemwegserkrankungen mit Cefquinom i.m. behandelt. Lediglich bei drei Pferden (0,9 %) wurde eine milde lokale Reaktionen an der Injektionsstelle über ein oder zwei Tage festgestellt. Weitere Nebenwirkungen wie Durchfall traten in beiden durchgeführten Studien nicht auf (interne Intervetstudie). Auch bei anderen Spezies wurden keine Nebenwirkungen bei der Behandlung mit Cefquinom beobachtet (Limbert et al. 1991, Chin et al. 1992, Murphy et al. 1994, Maden et al. 2001).
Die besondere Struktur eines Zwitterions (eine positive und eine negative Ladung in einem Molekül) ermöglicht Cefquinom eine extrem schnelle Penetration der Bakterienzellwand. Dort wirkt es durch die Störung der Zellwandsynthese auf die Mikroorganismen bakterizid und zeitabhängig (Thomas et al. 2006).

Das Erregerspektrum von Cefquinom ist breit. Es werden sowohl grampositive als auch gramnegative Erreger erfasst. Dazu gehört u.a. Streptococcus (S.) equi subsp. zooepidemicus, S. equi subsp. equi und Escherichia (E.) coli, die im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen und Septikämien beim Fohlen wichtigsten Erreger. Cefquinom zeichnet sich durch seine niedrigen minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) [engl.: Minimum Inhibitory Concentrations, MIC] gegen diese Erreger aus (Thomas et al. 2003). So ergab die Untersuchung von 91 Isolaten, die von Pferden mit Atemwegserkrankungen zwischen 1987 und 2001 in Europa gesammelt wurden, für die 41 Isolate von S. equi subsp. zooepidemicus eine MHK zwischen 0.016 und 0.125 μg/ml. Bei den 27 untersuchten Isolaten von S. equi subsp. equi war die MIC kleiner als 0.016 μg/ml und bei den 6 E. coli-Isolaten fanden sich Werte zwischen 0.016 und 0.26 μg/ml. Bei den 9 untersuchten Isolaten Staphylococcus (St.) aureus rangierte die MIC zwischen 0.25 und 1 μg/ml und bei den 7 Isolaten von Klebsiella pneumoniae zwischen 0.016 und 0.25 μg/ml (Thomas et al. 2003). Eine zeitabhängige bakterizide Wirkung konnte ab einer Konzentration von 0,031 μg/ml gegen alle getesteten Stämme von S. equi subsp. zooepidemicus innerhalb von 24 Stunden und für S. equi subsp. equi innerhalb von 15 bis 24 Stunden beobachtet werden (Thomas et al. 2003). In einer zweiten Studie konnten Thomas et al. (2006) zeigen, dass die Zeit bis zum Wirkungseintritt für grampositive Bakterien länger (7.7 bis 23.3 Std.) war als für gramnegative Keime (4 bis 7,4 Std.).

In dieser zweiten Studie untersuchten Thomas und Mitarbeiter insgesamt 205 Isolate von Pferden mit Atemwegserkrankungen und Fohlen mit septikämischen Erscheinungen aus 5 europäischen Ländern. Die MIC-Werte der 73 Isolate von S. equi subsp. zooepidemicus rangierten dabei zwischen 0.008 und 0.25 μg/ml. Von S. equi subsp. equi wurden 9 Isolate untersucht. Die MIC-Werte lagen zwischen 0.008 und 0.063 μg/ml. Für insgesamt 32 E.coli - Isolate von 7 Pferden und 25 Fohlen ergab sich eine Spanne von 0.032 und 2 μg/ml (Thomas et al. 2006).

Bislang wurde für Cefquinom gegen pferdepathogene Keime keine Resistenzkonzentration festgelegt. Für rinderpathogene Keime ist die Resistenzkonzentration von Cefquinom mit 4 µg/ml von der AVID (Working Group for veterinary medicines and diagnosis of infections) angegeben (AVID, 1999). Bei dieser Konzentration waren in der Studie von Thomas et al. (2006) sowohl S. equi subsp. zooepidemicus als auch E. coli hundertprozentig sensibel gegen den Wirkstoff Cefquinom. Durch die große Stabilität gegenüber ß-Laktamasen ist die Gefahr einer Resistenzentwicklung gegenüber dem Wirkstoff Cefquinom ohnehin gering.

Die maximale Plasmakonzentration (Cmax) von Cefquinom, die nach einer intravenösen Applikation sofort und nach einer intramuskulären Gabe innerhalb von 29-60 Minuten gegeben ist, lag in einer Studie von Allan und Thomas (2003) deutlich über der ermittelten MIC90 von 0.016 μg/ml für S. equi subsp. zooepidemicus. Die Cmax bleibt für mindestens 19,1 Stunden über dieser MIC90. Danach verhindert der Post Antibiotische Effekt (PAE) das Wachstum von S. equi subsp. zooepidemicus und S. equi subsp. equi für weitere 3-5 Stunden (Thomas et al. 2003), nicht jedoch das von E. coli. Unter dem PAE wird der Zeitraum verstanden, in dem Bakterien auf Grund einer vorangegangenen Antibiotikabehandlung in definierter Konzentration ihr Wachstum auch dann noch nicht wieder aufnehmen können, nachdem die Konzentration des Antibiotikums gleich null ist. Unter dem Post-Antibiotic Sub-MIC Effect (PA SME) wird dagegen der Zeitraum verstanden, in dem die Bakterien auch bei einem Absinken der Konzentrationen unterhalb des MIC-Wertes eine Wachstumshemmung zeigen. Der PA SME ermöglicht in praxi eine Verlängerung der Dosierungsintervalle (Odenholt 2001). In der Studie von Thomas et al. (2003) konnte mit Cefquinom bei einer Konzentration von 0,5 x MIC ein PA SME für S. equi subsp. zooepidemicus von mehr als 10 Stunden, für S. equi subsp. equi von etwa 8 Stunden und für E. coli von durchschnittlich 7 Stunden ermittelt werden. Außerdem konnte ein Ansteigen des PA SME mit zunehmender Konzentration beobachtet werden (Thomas et al. 2003).