Krankheitsformen und klinisches Bild



Die IBR/IPV Viren können beim Rind folgende Krankheitsbilder verursachen:

  • Infektiöse Bovine Rhinotracheitis
  • Infektiöse Pustuläre Vulvovaginitis
  • Infektiöse Pustuläre Balanopostitis
  • Abort
  • Konjunktivitis / Keratokonjunktivitis
  • Meningoenzephalitis

Erkrankungen des Bestandes mit IBR gehen zum einen von neu eingestellten, klinisch IBR-kranken Tieren aus. Zum anderen stellen gesund erscheinende aber latent mit BHV1 infizierte Rinder eine Ansteckungsquelle dar. Bei letzteren kann eine Reaktivierung und erneute Ausscheidung des Erregers auftreten. Als Auslöser kommen verschiedene Stressoren wie u.a. Abkalbung, Transport, Crowding, Klimaeinflüsse, andere Erkrankungen sowie die Behandlung mit Glukokortikoiden oder Impfungen in Frage. Das latent infizierte und erneut ausscheidende Tier bleibt i.d.R. symptomlos.

Klinische Symptome
Durch die Infektion der oberen Luftwege mit BHV1 kommt es zu einem Verlust der Zilien, einer Beeinträchtigung der zellvermittelten Abwehr und Lungenfunktion. Dadurch ist die Widerstandskraft der Schleimhäute gegenüber Sekundärinfektionen mit Pasteurellen, Mykoplasmen, Parainfluenza 3 und BVD vermindert. Entsprechend der unterschiedlichen Sekundärinfektionen sowie der unterschiedlichen Abwehrlage variiert das klinische Bild der IBR.
Zu den typischen Symptomen gehören plötzlich einsetzende Inappetenz, Milchrückgang, hohes Fieber sowie Nasenausfluß (serös => mukös bis mukofibrinös), Tränenausfluß, Speicheln und Niedergeschlagenheit. Darüber hinaus sind die Tiere lichtscheu und haben einen geröteten Naseneingang („Red Nose Disease“) und geschwollene Konjunktiven sowie Schleimhäute des Flotzmauls. Manchmal sind grauweißliche Flecken zu erkennen. Mitunter besteht auch mäßiger bis kräftiger Husten. Die Atmung ist oberflächlich, die Atemfrequenz erhöht. Bei Belastung kann Atemnot auftreten. Aborte treten meist im 6. bis 8. Trächtigkeitsmonat und zwar erst 1 bis 3 Monate nach der klinischen Erkrankung auf. Neugeborene Kälber können bereits intrauterin infiziert worden sein. I.d.R. erfolgt die Infektion bei Kälbern jedoch perinatal durch postpartale Ausscheidung von primärvermehrtem oder reaktiviertem Virus.

Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch sind Enzootische Bronchopneumonie, Bovine Virusdiarrhoe/ Mucosal Disease (BVD/MD), Maul- und Klauenseuche (MKS) und Bösartiges Katarrhalfieber (BKF) zu bedenken.

Verlauf
Morbidität und Letalität hängen von der immunologischen Ausgangssituation des betroffenen Bestandes, Sekundärerkrankungen des Atmungsapparates sowie zusätzlicher Belastungen ab. In nicht geimpften Milchvieherden beträgt die Morbidität 10 bis 30% und die Letalität < 3%. Bei ungeimpften Mastrindern ist eine Morbidität von bis zu 100% und eine Letalität von 10% möglich.