Diagnostische Maßnahmen im Bestand



Die klinischen Zusammenhänge der einzelnen Verlaufsformen können je nach Ausprägung der Leitsymptome zur klinischen Verdachtsdiagnose herangezogen werden. Bei dem Krankheitsbild Mucosal Disease sind die Veränderungen derart offensichtlich, dass häufig keine labordiagnostischen Untersuchungen zur endgültigen Klärung erforderlich sind. Sollte dennoch zunächst nur der Verdacht auf MD bestehen, kann nur mit der Einsendung eines Nasenschleimhautzellenabstrichs, einer ungeronnene Blutprobe (EDTA -Probe bzw. Li-Hep.-Probe) sowie Blutserum die klinische Diagnostik abgerundet werden. Besteht der Verdacht eines bisher ansonsten klinisch mehr oder weniger unauffälligen PI-Tieres, können ebenfalls diese drei Probenarten an ein spezialisiertes Labor zur endgültigen Diagnosestellung eingesandt werden. Wird ein positiver Virusnachweis vollzogen, muss zur Bestätigung der persistierenden Infektion eine zweite positive Probe nach 3 Wochen vorliegen. Ist die zweite Probe virologisch negativ, handelt es sich lediglich um eine transiente Infektion.

Bei Kälbern besteht nach der Kolostrumaufnahme zunächst eine so genannte diagnostische Lücke, da die Viruspräsenz im Blut durch die kolostralen Antikörper minimiert wird. Die diagnostische Lücke besteht je nach verwendetem Testsystem im Laborinstitut bis zum 60., teils jedoch auch bis zum 120. Lebenstag. Ergibt sich in einem Betrieb die Fragestellung nach einer postnatalen Infektion in einer Tiergruppe, kann ebenfalls in der akuten Phase bei Tieren mit Krankheitserscheinungen mittels Nasenschleimhautzellenabstrich und EDTA-Blut der Virusnachweis vollzogen werden. Auch Serumpaarproben im Abstand von 14 Tagen offenbaren eine stattgefundene postnatale Infektion. Eine vorausgegangene Infektion im Bestand kann weiterhin durch die Bestandsmilchprobe sowie über ein Jungtierfenster der Tiere im Alter von 6-24 Monate erhärtet werden. Finden sich im Jungtierbereich Rindergrippeerscheinungen als vorrangiges Bestandsproblem, sollte ebenfalls der Nasenschleimhautzellenabstrich zum Nachweis möglicher diffentialdiagnostisch  bedeutsamer Rindergrippeerreger um EDTA-Blutproben ergänzt werden. Im chronischen Stadium (retrospektiv) können die Krankheitserscheinungen und die Erstellung eines Immunprofiles von Kälbern älter als 3 Monate ebenfalls das Vorliegen einer BVDV-Infektion aufdecken. Bei den bisher üblichen Nachweismethoden ist die Kotprobe am schlechtesten für den Virusnachweis geeignet. Derzeit wird an einer praktikablen Diagnostik zur Erkennung von PI-Tieren gearbeitet, die mittels Rinderohr-Stanzproben und einem Virusantigen ELISA -Kit das Glykoprotein gp 48 detektiert. Dieses wird in Epithelzellen der Haut und auch in anderen Geweben infizierter Tiere gefunden. Da die Oberhautpartien hohe Konzentrationen an BVDV-Antigen aber nur wenig Blut enthalten, interferieren maternale Antikörper nicht. Die diagnostische Lücke kann bei jungen PI-Tieren auf unter 2 Wochen eingeschränkt werden.