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Bekämpfung und Impfung

Kommt es in einem Mitgliedstaat zu einem Ausbruch von BTV, so werden Schutzmaßnahmen vorgenommen. Diese beruhen in erster Linie auf der Einrichtung von Sperr- und Kontrollzonen, die insgesamt einen Umkreis von 150 km um den betroffen Betrieb beinhalten. Das Verbringen von empfänglichen Tieren aus der Sperrzone ist verboten [41].

Im Rahmen der Bekämpfung der Blauzungenerkrankung stellt die Impfung die einzige zuverlässige Möglichkeit dar, Tiere vor klinischer Erkrankung zu schützen [11, 45, 46]. Gleichzeitig wird hierdurch auch die Weiterverbreitung des Virus verhindert.


Im Zuge der BTV-8 Epidemie nach 2006 in Westeuropa konnten in Deutschland umfangreiche Erfahrungen mit der Impfung gegen die Blauzungenerkrankung gesammelt werden. So zeigte sich, dass allein durch Restriktionsmaßnahmen und Repellentien ein Aufhalten der Erkrankung nicht möglich war [45]. Um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, ist bei der Blauzungenerkrankung die Impfung von 80% der empfänglichen Population notwendig [47, 40]. Nachdem ausreichend geprüfte Impfstoffe zur Verfügung standen, wurde im Mai 2008 mit einer Pflichtimpfung gegen BTV-8 in Deutschland begonnen. Insgesamt erfolgte die Impfung 2008 bei 10,6 Mio. Rindern, 2,6 Mio. Schafen, 0,16 Mio. Ziegen und 55.000 Stück Gatterwild. 2009 wurden dann noch einmal etwa 5 Mio. Rinder und 0,8 Mio. Schafe geimpft. Hierdurch wurde insgesamt eine Impfabdeckung von etwa 83% erreicht. Die Kosten für die Impfungen betrugen in diesen zwei Jahren über 60 Mio. €, die aus öffentlichen Mitteln gezahlt wurden [48]. Die Zahl der neugemeldeten Ausbrüche konnte durch die Impfung drastisch reduziert werden [26].


Ende 2009 wurde beschlossen, dass das bis dahin verpflichtende Impfprogramm nunmehr in den folgenden Jahren auf freiwilliger Basis weitergeführt werden soll [48]. Umfragen haben gezeigt, dass etwa 40 % der Rinderhalter und ein Drittel der Schafhalter die Impfung auf freiwilliger Basis weitergeführt haben bzw. wollten [10].
Zusätzlich zu den Impfmaßnahmen wurde ein groß angelegtes Überwachungsprogramm durchgeführt, in dem neben den Hauswiederkäuern auch Wildtiere untersucht wurden. Der letzte positive Nachweis von BTV erfolgte im November 2009 und am 15.02.2012 erklärte sich Deutschland als BTV-frei [48], mit der Konsequenz, dass die Impfung von nun an verboten war.

 

Auf Grund von Ausbrüchen von BTV-8 und -4 in angrenzenden Mitgliedsstaaten und der damit verbundenen zunehmenden Gefahr des erneuten Eintrags von Blauzungen-Virus (Risikobewertung FLI) [13] kam die ständige Impfkommission Veterinämedizin (StIKo Vet) [40] in ihren Empfehlungen zu dem Schluss, dass die effiziente Bekämpfung dieser Tierseuche nur durch die entsprechende Impfung erzielt werden kann. Dies war unter anderem Anlass, das Impfverbot wieder aufzuheben, so dass derzeit in Deutschland auf freiwilliger Basis geimpft werden kann. Vor der Impfung muss eine entsprechende Genehmigung eingeholt werden [41], wobei in vielen Regionen Deutschlands bereits Allgemeinverfügungen erlassen wurden. Durchgeführte Impfungen müssen der zuständigen Behörde innerhalb von 7 Tagen gemeldet werden [41].


Es gibt zwei verschiedene Arten von Impfstoffen, attenuierte Lebendvakzine und Inaktivatvakzine. In der Europäischen Union darf nur mit inaktivierten Impfstoffen geimpft werden [41], da Lebendimpfstoffe ein gewisses Risiko bergen, Impferkrankungen auszulösen [46, 5, 11]. Es besteht keine Kreuzimmunität zwischen den einzelnen Serotypen des Blauzungenvirus, so dass bei gleichzeitigem Auftreten verschiedener Serotypen in einem Gebiet gegen diese entsprechend geimpft werden muss, um einen umfassenden Schutz zu bieten [46].

Durch die Impfung werden die klinischen Symptome der Erkrankung verhindert, die Virämie vermindert bzw. verhindert, die ökonomischen Verluste werden reduziert und der Handel erleichtert [2, 11]. Die verwendeten Totimpfstoffe schützen sicher und haben eine geringe Nebenwirkungsrate [11, 40]. Dies zeigte sich auch während des verpflichtenden Impfprogramms in den Jahren 2008/09. Obwohl einige Nebenwirkungen in Deutschland gemeldet wurden, konnte bei weitergehender Untersuchung dieser Meldungen kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Impfung und den gemeldeten Schäden hergestellt werden [49].

 

Auf Grund der derzeitigen Lage in Europa ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem erneuten Eintrag der Blauzungenerkrankung nach Deutschland zu rechnen. Impfungen können die Klinik und die wirtschaftlichen Verluste reduzieren. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn Tiere verbracht werden sollen, da nur geimpfte Tiere aus den Restriktionszonen verbracht werden dürfen. In wie weit eine freiwillige Impfung zu einer entsprechenden Impfabdeckung führt, die eine Ausbreitung der Erkrankung verhindern kann, ist fraglich.