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Blauzungenerkrankung in Deutschland

Fokusthema "Blauzungenerkrankung in Deutschland - eine wiederkehrende (und bleibende) Tierseuche?

 

image: Blauzunge 5270

 

Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue Disease) ist eine nicht ansteckende Virusinfektion bei Wiederkäuern, die durch das Blauzungenvirus (Bluetongue virus, BTV) verursacht wird. Die Übertragung findet durch blutsaugende Insekten der Gattung Cullicoides (Gnitzen) statt. Die Erkrankung wird auf der Liste der anzeigepflichtigen Tierseuchen der OIE (Office International des Epizooties) geführt und unterliegt damit in Deutschland der Anzeigepflicht.

Die Ausprägung der klinischen Symptome hängt von verschiedenen Faktoren, wie dem Serotyp des Virus, der betroffenen Tierart, der Rasse und dem Alter des Tieres ab [1, 2].

Die Blauzungenerkrankung wurde erstmals gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Südafrika beschrieben und ist zwischen dem 40° nördlicher und dem 35° südlicher Breite in weiten Regionen der Erde verbreitet. Aber auch außerhalb dieser Regionen kommt es immer wieder zu Ausbrüchen der Erkrankung [3, 4]. In Europa waren diese in der Vergangenheit auf die Mittelmeerregion begrenzt. Hierbei traten verschiedene Serotypen des Virus auf [1, 5].

Völlig überraschend wurde im Jahr 2006 im Dreiländereck Niederlande-Deutschland-Belgien Blauzungenerkrankung, verursacht durch den Serotyp 8, festgestellt, der bis dahin noch nicht in Europa aufgetreten war und dessen Eintragsweg nicht geklärt werden konnte [6, 7, 8].

Es kam zu einer raschen Ausbreitung in der nachfolgenden Zeit, so dass Ende 2006 von 890 Fällen berichtet wurde [9]. Die Hoffnung, dass die Ausbreitung der Blauzungenerkrankung durch niedrige Temperaturen mit einem Sterben der Mücken stagniert, wurde nicht erfüllt. Im Verlauf von 2007 flammte die Erkrankung wieder auf und zum Ende 2007 war fast ganz Deutschland betroffen (nur 2 Bundesländer hatten keine Fälle gemeldet [10]). Die Zahl der registrierten Fälle belief sich zwischen Mai 2007 und April 2008 auf über 20.000 Fälle mit mehr als 65.000 erkrankten Tieren (33.839 Rinder, 32.159 Schafe und 227 Ziegen) [7]. Im Zuge der Epidemie waren insgesamt weite Teile Westeuropas betroffen (Belgien, Niederlande, Frankreich, Luxemburg, Spanien, Italien, Dänemark, Tschechien, Großbritannien).

Die ökonomischen Verluste durch die Blauzungenerkrankung sind auf der einen Seite direkte Verluste durch Todesfälle, Aborte, Gewichtsverluste und reduzierte Milchleistung, auf der anderen Seite indirekte Verluste, die durch Handelsrestriktionen und Bekämpfungsmaßnahmen hervorgerufen werden [2, 11]. Genaue Angaben hierzu liegen nicht vor, Schätzungen belaufen sich weltweit auf rund 3 Mrd. US$ pro Jahr [12]. Für Deutschland belaufen sich die Schätzungen  der Verluste in den Jahren 2006 – 2011 auf über 250 Mio. €, wobei allein auf die Jahre 2007 und 2008 jeweils allein knapp 90 Mio. € entfallen [7].