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Erreger und Übertragung

Das Blauzungenvirus (Blue Tongue Virus, BTV) ist ein Orbivirus aus der Familie der Reoviridae. Es handelt sich um ein unbehülltes Virus. Mittlerweile sind mehr als 27 verschiedene Serotypen bekannt, es gibt jedoch auch innerhalb der Serotypen verschiedene Variationen [13].

Die Übertragung des Virus erfolgt durch blutsaugende Mücken der Gattung Cullicoides (Gnitzen) von Tier zu Tier. Während zunächst vermutet wurde, dass nur bestimmte Gnitzen aus wärmeren Regionen der Erde das Virus übertragen, konnte nachgewiesen werden, dass in Deutschland ausschließlich heimische Arten (C. obsoletus, C. pulicaris) für die Verbreitung des Virus verantwortlich waren [8, 14]. In diesem Zusammenhang wird auch eine Überwinterung des Virus in Europa diskutiert [2, 8, 15].

Die Gnitzen sind nur wenige Millimeter groß und leben etwa 10 – 20 Tage [16, 2], wobei bei niedrigeren Temperaturen auch Zeiträume bis zu 90 Tage beschrieben werden [17, 18]. Die Insekten sind dämmerungs- und nachtaktiv und fliegen selbst nur kurze Distanzen. Auf Grund ihrer Größe können sie aber durch Wind über große Strecken mitgetragen werden und so zu einer schnellen Verbreitung der Erkrankung beitragen [19, 20, 14].

Die weiblichen Gnitzen benötigen zur Fortpflanzung Blutmahlzeiten. Findet diese bei einem infizierten Wiederkäuer statt, kann das Virus von der Mücke aufgenommen werden. Im Verdauungstrakt und den Speicheldrüsen der Gnitze kommt es zu einer Vermehrung des Virus, was bei 25 °C etwa 10 – 15 Tage dauert [16, 17]. Eine einmal infizierte Gnitze bleibt ihr Leben lang infektiös. Die Aufnahme weiterer Blutmahlzeiten ermöglicht die Übertragung des BT-Virus auf empfängliche Tiere, wobei eine infizierte Gnitze zur Infektion eines Wiederkäuers ausreichen kann [21, 22].

Nach der Übertragung des BT-Virus durch blutsaugende Mücken erfolgt beim Wiederkäuer zunächst eine Vermehrung in den regionalen Lymphknoten. Hieran schließt sich eine Virämie an, in deren Verlauf das Virus sich im gesamten Organismus verbreitet [23]. Dies kann bereits nach wenigen Tagen im Blut nachgewiesen werden. Während im frühen Stadium verschiedene Blutzellen befallen sind, betrifft es im weiteren Verlauf vor allem die Erythrozyten [23]. Da sich das Virus in den Erythrozyten nicht vermehren kann, ist die Dauer der Virämie abhängig von der Lebensdauer der Erythrozyten und beträgt beim kleinen Wiederkäuer bis zu 54 Tage. Beim Rind wird die Phase mit 60, zum Teil auch mit bis zu 100 Tagen angegeben [2]. Hierdurch hat das Rind auf Grund der längeren Präsenz des BT-Virus im Blut und damit einer längeren Möglichkeit der Übertragung auf blutsaugende Insekten aus epidemiologischer Sicht eine besondere Bedeutung [2].