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Aktuelle Lage der Blauzungenkrankheit (Stand Juni 2016)

Derzeit wird Deutschland von zwei Seiten durch das Blauzungenvirus bedroht. Auf der einen Seite wurde aus Österreich im November 2015 das Auftreten von BTV vom Serotyp 4 berichtet, auf der anderen Seite sind seit Mitte September 2015 aus Frankreich mehrere Fälle von BTV Serotyp 8 aufgetreten.

BTV 4:
Seit 2014 werden aus Griechenland und Bulgarien vermehrt Ausbrüche von Blauzungenerkrankung des Serotyps 4 gemeldet  [29, 30], wobei bereits in den vorhergehenden Jahren (2011 – 2013) aus verschiedenen Ländern im westlichen Mittelmeerbereich über diesen Typ berichtet wurde [31]. Es konnte jedoch festgestellt werden, dass sich das für die neuerlichen Ausbrüche verantwortliche Virus von den bis dato Bekannten unterscheidet. Es handelt sich um eine Reassortante von BTV-1, BTV-2 und BTV-4, das heißt, das Virus besitzt Anteile dieser verschiedenen Serotypen. Die Serotypeinteilung erfolgt anhand von Proteinen auf der Virushülle. Da auch die Impfstoffe auf diese Proteine zielen, können die vorhandenen Vakzinen gegen BTV-4 gegen diesen Virustyp eingesetzt werden [31].

Das aufgetretene Virus zeigte in den nachfolgenden Monaten eine schnelle Ausbreitungstendenz in Richtung Nordwest. In Ungarn wurden die meisten Fälle zwischen September und November 2015 gemeldet [32]. Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich hier um den gleichen Virustyp handelt, der vorher schon in Griechenland beschrieben wurde [33]. Als Eintragsursache werden, da Tiertransporte ausgeschlossen werden konnten, infizierte Gnitzen vermutet. In Ungarn wird je nach Entfernung zu einem Ausbruchsbetrieb entweder verpflichtend oder freiwillig gegen BTV-4 geimpft [32].

Mitte November 2015 wurde in Österreich im Rahmen des vorhandenen Überwachungsprogramms in den Bundesländern Burgenland und Steiermark auf 4 Betrieben Blauzungenvirus vom Serotyp 4 bei klinisch gesunden Rindern nachgewiesen [34]. Im weiteren Verlauf zeigten sich weitere Fälle, die ebenfalls auf eine Infektion im Herbst 2015 zurückzuführen sind. Als Konsequenz hieraus wurden die entsprechenden Maßnahmen (Sperrzone, Überwachung, Verbringungsbeschränkungen) eingerichtet.  Eine Impfung gegen BTV ist erlaubt, erfolgt allerdings auf freiwilliger Basis und muss im Vorfeld von der lokalen Veterinärbehörde genehmigt werden [35]. Der Bis dato letzte Fall aus Österreich wurde am 10.3.16 gemeldet [36].

Weitere Fälle wurden aus Slowenien und Rumänien gemeldet, so dass mittlerweile weite Teile Südost-Europas Ausbruchsgebiete bzw. Restriktionszonen sind.
Eine Übersicht über die aktuelle Lage ist unter http://ec.europa.eu/food/animals/docs/ad_control-measures_bt_restrictedzones-map.jpg einzusehen.
Die Sperrzonen um von BTV-4 betroffene Gebiete in Österreich sind nur etwa 80 km von der deutschen Grenze entfernt.


BTV-8:
Am 21.08.2015 wurde erstmals seit 2010 wieder ein Ausbruch von BTV-8 in Frankreich festgestellt [37]. Seitdem hat sich das Geschehen sehr schnell ausgebreitet. Die letzten Meldungen zeigen [38], dass mittlerweile bereits 287 Ausbrüche registriert wurden, davon allein 136 in 2016. Einige Ausbruchsbetriebe liegen so nah an der deutschen Grenze, dass die 150-km-Restriktionszone bis in den Süd-Westen von Baden-Württemberg reichen würde [39]. Das Virus ist dem, welches in den Jahren 2006 – 2009 in Deutschland und den angrenzenden Ländern aufgetreten ist, sehr ähnlich [40].
In Frankreich wird derzeit auf Grund knapper Impfstoffverfügbarkeit risikobasiert geimpft. Nur etwa 15 % der 12 – 60 Monate alten Rinder gelten derzeit als geschützt [39].
Für die angrenzenden Länder besteht ein hohes Risiko des Virus-Eintrags, vor allem in den kommenden wärmeren Monaten [13, 39].

Auf Grund der Situation in Frankreich und Österreich, wurde basierend auf der Risikobewertung des FLI [13] und den Empfehlungen der StIKo Vet [40] das seit 2012 in Deutschland bestehende Impfverbot aufgehoben [41]. Die Impfung erfolgt auf freiwilliger Basis. Seit Mai 2016 wird bereits in Bayern und Baden-Württemberg gegen die Serotypen 4 und 8 geimpft. In beiden Bundesländern werden von Seiten der Tierseuchenkasse Unterstützungen gewährt [42, 43]. In Baden-Württemberg wurden bis Anfang Juli 2016 bei rund 350.000 Rindern Impfungen gegen BTV-8 und bei rund 160.000 Rindern gegen BTV-4 durchgeführt. Bei Schafen und Ziegen waren es ca. 95.000 Impfungen gegen BTV-8 und ca. 75.000 gegen BTV-4 (Impfbarometer STUA Aulendorf) [44].