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Prävention durch Schutzimpfung



Schutzimpfungen zählen zu den kostengünstigsten und wichtigsten Maßnahmen zur Prävention von Infektionskrankheiten. Dies gilt auch für Pferde hinsichtlich einer Infektion mit equinen Influenzaviren.

Die Bekämpfung der equinen Influenza erfolgt am effizientesten durch flächendeckende präventive Schutzimpfungen der Pferdepopulation im internationalen Maßstab. Da die equine Influenza eine Bedrohung für die Pferdehaltung und den Pferdesport darstellt, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO-OIE) ein Überwachungssystem entwickelt und Empfehlungen zur equinen Influenza erarbeitet.

Seit 2005 schreiben die Bestimmungen der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) vor, dass alle an ihren Turnieren teilnehmenden Pferde alle sechs Monate gegen Influenza geimpft werden müssen. Diese Vorschrift wurde von der FN in Deutschland bereits in den 90er Jahren vorgegeben und verbindlich in der LPO 2000 eingeführt. Der britische Jockey Club machte eine jährliche Influenzaimpfung bereits 1995 zur Grundbedingung für die Teilnahme an Rennveranstaltungen. Es fehlen jedoch weiterhin Regelungen für die Impfungen von Zuchtpferden und von privat gehaltenen Einzelpferden (Lange 2007b).

Aufgabe von Impfstoffen

Hinsichtlich der eingesetzten Impfstoffe ist darauf zu achten, dass die aktuellen Varianten des jeweiligen kursierenden Feldstammes abdeckt werden (Link --> siehe Kapitel Antigendrift). Das Immunsystem reagiert auf das Virus bzw. dessen Oberflächenantigene, insbesondere das Hämagglutinin (H). Entsprechend richtet sich die aufgebaute Immunität auch total oder zumindest partiell gegen nah verwandte Subtypen des Virus. Stärker abweichende Varianten werden dagegen nicht abgedeckt. Spezifität und Wirksamkeit werden durch die Verwendung eines populären variantenübergreifenden Prototypen als Antigen wie Miami/1/63 oder Newmarket/93 optimiert (Thein 2006).

Untersuchungen der letzten 20 Jahre bestätigen ein deutliches Mutationsgeschehen mit einer divergierenden Drift in so genannte American-like und European-like Stämme. Der 1993 bei erkrankten Pferden in Newmarket (UK) isolierte Stamm (Newsmarket/2/1993) wurde als Impfstamm in Europa etabliert, da er als besonders repräsentativ eingeschätzt wird. Dagegen repräsentiert Newmarket/1/93 die amerikanischen Feldstämme (Brunner und Danner 2006).

Das Internationale Tierseuchenamt gibt entsprechend der epidemiologischen Situation Empfehlungen bezüglich der zu verwendenden Impfantigene, die von den Impfstoffherstellern zu berücksichtigen sind (Thein 2006). So werden inzwischen von vielen Impfstoffherstellern die hauptimmunogenen Proteine der neu aufgetretenen Varianten des Subtyps A/Equi 2 verwendet (Lange 2007).

Darüber hinaus muss der eingesetzte Impfstoff in der Lage sein, sowohl die unspezifische und die spezifische als auch die humorale und zelluläre Immunabwehr zu aktivieren.

Träger der zellulären Immunreaktion sind die weißen Blutkörperchen ebenso wie T- und B-Zellen, natürliche Killerzellen, Monozyten, Makrophagen, Dendritische Zellen, Langerhans Zellen und Granulozyten. Durch eine Impfung wird das so genannte angeborene oder unspezifische Immunsystem an der Impfstelle aktiviert. Dazu muss das Impfantigen jedoch vom Organismus als Antigen erkannt werden. Ist das Impfantigen dazu alleine nicht in der Lage, muss ein Adjuvans (Immunstimulanz) verwendet werden, das die Immunogenität des Impfantigens verstärkt. Anschließend wird das Impfantigen von lokalen Wächterzellen phagozytiert und ins sekundär lymphatische Gewebe (Lymphkoten, Peyer’sche Plaques, Milz) transportiert. Dadurch wird die spezifische Immunantwort eingeleitet, die zur Bildung von spezifischen Antikörpern (humorale Immunabwehr) gegen das Antigen sowie von Effektor- und unterschiedlich langlebigen Gedächtniszellen führen soll (zelluläre Immunabwehr). Die Art und Weise, wie die immunogene Komponente dem Rezeptorsystemen des geimpften Wirtes präsentiert wird, bestimmt also maßgeblich, ob neben der humoralen auch eine zelluläre Immunantwort induziert wird.


Um eine optimal wirksame Immunantwort zu erzielen, sollte der Impfstoff die Antwort auf eine natürliche Infektion nachahmen, ohne deren krankmachende Potenz zu besitzen. Das wird heute nur durch Lebendimpfstoffe, rekombinante Impfstoffe oder ISCOM- bzw. ISCOM-Matrix-Impfstoffe erreicht (Masihi und Lange 2007) (Link --> Siehe Kapitel 2.5.). Sie zeichnen sich durch die Ausbildung einer humoralen und zellulären Immunabwehr auch noch durch die Induktion einer lokalen Schleimhautimmunität aus. Die meisten traditionellen inaktivierten Impfstoffe stimulieren dagegen nur die Antikörperproduktion und sind nicht in der Lage, die T-Zellen zu aktivieren und damit die zur kompletten Infektabwehr erforderliche humorale und zelluläre Immunität zu induzieren (Thein 2006, Masihi und Lange 2007).

Die auf dem Markt befindlichen Impfstoffe können in 3 Generationen unterteilt werden:
1. Generation: Konventionelle Impfstoffe ohne oder mit Aluminumhydroxid als Adjuvans
2. Generation: Impfstoffe mit modernen Adjuvantien, die neben der Antikörperproduktion auch das zelluläre Immunsystem stimulieren
3. Generation: Impfstoffe mit modernen Antigenpräsentationssystemen (z.B. ISCOM und ISCOM-Matrix), rekombinante Impfstoffe und Lebendimpfstoffe (z.Z. in D nicht zugelassen). Sie erzeugen eine Immunreaktion, die der natürlichen Infektion sehr nahe kommen.

Während Impfstoffe der 1. und 2. Generation lediglich eine (eingeschränkte) humorale Immunantwort induzieren, die zelluläre sowie die Ausbildung eines immunologischen Gedächtnisses weitestgehend ausbleibt, induzieren Impfstoffe der dritten Generation wie ISCOM-Matrix-Impfstoffe neben einer humoralen und zellulären Immunabwehr auch noch eine lokale Schleimhautimmunität (Pearse und Drane 2004, Lange 2007).