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Fehlgeburt (Abort)

Wird die Trächtigkeit beendet, bevor der Fetus außerhalb des Uterus lebensfähig ist, spricht man von einem Abort. Bei Stuten liegt die Abortrate zwischen 5 und 15 Prozent. Obwohl Aborte, meist sporadisch, während der gesamten Trächtigkeit auftreten können, werden auf Grund der Größe der Frucht in der Regel jedoch nur Aborte ab dem 4. Monat wahr genommen. Während akute Aborte meist ohne weitere klinische Symptome ablaufen, kann bei Stuten mit einem chronischen Abortverlauf häufig eine vorzeitige Laktation, Scheidenausfluss oder Störung des Allgemeinbefindens beobachtet werden (Bollwein 2005).
Aborte können infektiöse und nicht infektiöse Ursachen haben. Sind die Ursachen infektiöser Natur, ist der Abort nicht zu verhindern, da in der Regel auch die Frucht bereits Schaden genommen hat oder abgestorben ist. Bei nicht infektiösen Ursachen ist es u.U. möglich, den Abort durch die orale Gabe von Altrenogest zu verhindern.
Zuvor ist jedoch unbedingt eine transrektale und transabdominale sonografische Untersuchung durchzuführen, um die Situation überhaupt beurteilen zu können. Ist der Gebärmuttermund geschlossen und erscheint die Gesundheit des Fetus nicht wesentlich beeinträchtigt, kann versucht werden, die Trächtigkeit medikamentell aufrechtzuerhalten. Jedoch muss der Zustand des Fetus dann in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden (Bollwein 2005).
Als infektiöse Ursachen kommen Viren, Bakterien, Pilze, Hefen oder Parasiten in Betracht. Etwa ein Viertel der Aborte beim Pferd sind infektiöser Natur (Bollwein 2005).

Equines Herpesvirus (EHV)
Das equine Herpesvirus 1 (EHV1) (Link zu EHV) und bedingt auch EHV4 hat im Zusammenhang mit infektiösen Aborten beim Pferd eine große Bedeutung. Es kann sowohl sporadische Aborte als auch ein epidemiologisches Abortgeschehen verursachen. Die Aborte treten in der Regel zwischen dem 7. und dem 10. Trächtigkeitsmonat auf. Mit der Möglichkeit einer Impfung gegen EHV kann dieser Form des Aborts jedoch in der Regel zuverlässig vorgebeugt werden. Dazu muss allerdings nicht nur die Stute, sondern der gesamte Bestand regelmäßig alle 6 Monate geimpft werden.

Equine Virusarteritis (EVA)
Bei einer Infektion mit dem equinen Arteritisvirus (EVA) treten Aborte meist sporadisch und nicht seuchenhaft auf. Das Virus schädigt die Blutgefäße der Stute. Davon betroffen sind auch die des Uterus. Dadurch kommt es zu einer reduzierten Durchblutung und einer Unterversorgung der Plazenta. Das hat zur Folge, dass die Gestagensynthese in der Plazenta reduziert und der Fetus nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt wird. Dies führt zum Absterben des Fetus und schließlich zum Abort.
Charakteristisch ist die spontane Ablösung der autolytischen Plazenta und die nicht vorhandenen makroskopischen Veränderungen am Fetus. Das Virus wird entweder über die Nasenschleimhaut oder durch kontaminiertes Sperma beim Deckakt oder bei der Besamung übertragen. Allerdings sind nur seronegative Pferde für eine Infektion empfänglich.
In Deutschland ist ein Impfstoff gegen EVA zugelassen.

Bakterielle Aborte
Bakteriell bedingte Aborte kommen nahezu ausschließlich sporadisch vor. Sie können in jeder Phase der Trächtigkeit auftreten, kommen jedoch häufig in der frühen oder mittleren Trächtigkeitsphase vor. Teilweise kündigt sich ein Abort vorher durch eitrigen Scheidenausfluss, Fieber, vorzeitiges Aufeutern oder kolikartige Symptome an. Gründe für den bakteriell bedingten Abort sind über den Gebärmutterhals in den Uterus aufsteigende Bakterien, die anschließend entweder eine akute oder eine chronische Entzündung der Plazenta hervorrufen. Nur selten gelangen die Keime, vorwiegend Leptospiren, auf dem Blutweg in die Gebärmutter. Je nach dem, ob es zu einer Infektion des Fetus gekommen ist, weist dieser Blutungen oder Körperhöhlenergüsse auf.
Anstelle eines Aborts kann es aber auch zur Geburt eines septikämischen Fohlens kommen.
Die verursachenden Keime befinden sich in der Regel in der Umwelt oder im unteren Genitaltrakt der Stute. Es handelt sich um

  • ß-hämolysierende Streptokokken
  • Escherichia coli
  • Pseudomonaden
  • Klebsiellen
  • Leptospiren
  • Staphylokokken
  • Chlamydien

Der Erreger der Beschälseuche (CEM) Taylorella equigenitalis wird nur sehr selten aus abortierten Feten isoliert. Eine tatsächliche Beteiligung dieses Erregers am Abortgeschehen ist noch nicht bewiesen.
Besteht der Verdacht auf einen bakteriell bedingten Abort, ist sofort mit einer antibiotischen Behandlung zu beginnen und das Stute muss umgehend isoliert aufgestallt werden. Zusätzlich sollte ein nichtsteroidales Antiphlogistikum (NSAID) gegeben werden. Weiterhin kann durch die Gabe von Gestagenen versucht werden, den drohenden Abort zu verhindert. Der Fetus ist in regelmäßigen Abständen zu untersuchen. Beim Absterben der Frucht sind alle trächtigkeitserhaltenden Maßnahmen einzustellen (Bollwein 2005).

Nicht infektiöse Abortursachen
Bedeutung als nicht infektiöse Abortursachen haben u.a. nicht diagnostizierte Zwillingsgeburten, Verdrehungen der Nabelschnur, Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, Störungen der Plazentafunktion, schwere Allgemeinerkrankungen, schwere Mangelernährung sowie Stress.
Nach Möglichkeit sollte versucht werden, die Ursache des Aborts aufzuklären. Dies gelingt in rund 60 Prozent der Fälle.
Dazu sollten sowohl die Stute, der Fetus sowie die Plazenta untersucht werden.
Beim Fetus ist auf den Entwicklungszustand und auf makroskopisch sichtbare Veränderungen zu achten. Bei der Plazenta ist vor allem auf Anzeichen einer Entzündung (Plazentitis) und auf die Ausbildung bzw. die Veränderung der Verbindungszotten zwischen fetalen und maternalen Eihäuten zu achten.
Fetus und Plazenta sollten so schnell wie möglich für eine genauere bakteriologische Untersuchung gekühlt an ein entsprechendes Labor geschickt werden.

Eihautwassersucht
Die Eihautwassersucht kommt bei der Stute nur selten in der zweiten Hälfte der Trächtigkeit vor. Durch eine krankhafte Vermehrung der Fruchtwässer bis auf ein Zehnfaches der üblichen Menge innerhalb weniger Tage oder Wochen kommt es zu einer teilweise erheblichen Umfangsvermehrung des Bauches. Das Allgemeinbefinden der Stute ist dabei gestört und das Tier zeigt Atem- und Kreislaufbeschwerden.
Der Eihautwassersucht liegen vermutlich plazentäre Dysfunktionen oder fetale Missbildungen zu Grunde. Die Therapie besteht in der sofortigen Einleitung des Aborts durch die Verabreichung von Oxytocin als Infusion und der manuellen Weitung des Muttermundes. Diese sollte jedoch nur zusammen mit einer Kreislaufunterstützung erfolgen (Bollwein 2005).