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Trächtigkeit und Störungen

Abortierte Frucht nach EHV-1 Infektion (9. Trächtigkeitsmonat), Prof. Thein, 1996
Abortierte Frucht nach EHV-1 Infektion (9. Trächtigkeitsmonat), Prof. Thein, 1996

Trächtigkeit
Die Trächtigkeit oder Gravidität dauert im Mittel 336 Tage. Jedoch kann die Trächtigkeitsdauer individuell stark zwischen 322-387 Tagen variieren (Hoffmann, Leiser und Schuler 2005). Selbst wenn die Gravidität bis zu 400 Tagen dauert, werden in der Regel normal entwickelte, lebensfähige Fohlen geboren. Es konnte außerdem beobachtet werden, dass Trächtigkeiten mit einem früh im Jahr zu erwartenden Geburtstermin durchschnittlich länger dauern als solche mit einem zu erwartenden Geburtstermin im Frühsommer (Bollwein 2005).
Nach der Ovulation bleibt die Eizelle (Oozyt) maximal 12 Stunden befruchtungsfähig. Erfolgt eine Befruchtung, wandert der sich entwickelnde Embryo 5-6 Tage den Eileiter hinab Richtung Uterus, der zuvor bereits durch Östrogene und Progesteron auf die Einnistung des Embryos vorbereitet wurde. Der Embryo ist spätestens ab dem 9. Tag auf die Ernährung über die Uterinmilch (Embryotrophe) angewiesen, da die Energiereserven des Embryos dann nahezu vollständig verbraucht sind (Bollwein 2005).

Der Embryo ist trotz einer Größe von durchschnittlich 1,3 cm nach 14 Tagen im Uterus immer noch frei beweglich. Die Mobilität des Embryos bleibt bis zum 16., in seltenen Fällen auch bis zum 25. Tag erhalten (Bollwein 2005). Die freie Wanderung des Embryos ist die Voraussetzung für die maternale Erkennung der Gravidität etwa am 8 Tag. Folglich unterbleibt die Synthese und die Sekretion von Prostaglandin F2α (PGF2α) in der Gebärmutterschleimhaut und die Rückbildung des zyklischen Gelbkörpers.

Ab dem 16. Tag nach der Konzeption entwickelt sich eine eiweißbedingte „Klebrigkeit“, wodurch die Fruchtanlage fixiert wird. Die eigentliche Einnistung (Implantation) erfolgt jedoch erst zwischen dem 36.- und dem 38. Tag der Trächtigkeit (Hoffmann, Leiser und Schuler 2005). Etwa zu diesem Zeitpunkt
bilden sich die ersten Hilfsgelbkörper (Corpora lutea auxiliaria) als zusätzliche Progesteronquellen aus. Sie entwickeln sich aus ovulierten oder nicht ovulierten luteinisierten Follikeln, die auch während bestehender Gravidität weiter angebildet werden. Jedoch können Stuten auch ohne die Ausbildung von Hilfsgelbkörpern Fohlen austragen. Progesteron hat während der Trächtigkeit vor allem die Aufgabe der Ruhigstellung der Muskulatur der Gebärmutter (Myometrium), den Verschluss des Gebärmuttermundes und den Erhalt der Trächtigkeit.

Ab dem 120. Tag ist jedoch ein Abfall der Progesteron-Konzentration zu beobachten, da sich Trächtigkeitsgelbkörper sowie Hilfsgelbkörper zurück bilden. In der mittleren bzw. späten Gravidität kann bei der Stute praktisch keine Progesteronkonzentration im Blut mehr nachgewiesen werden. Jedoch setzt bereits zwischen 50. und 80. Tag bei der Stute eine alternative Gestagenproduktion ein. Im weiteren Verlauf der Trächtigkeit übernehmen diese anderen Gestagene die Aufgabe der Ruhigstellung des Myometriums und sichern so den Erhalt der Trächtigkeit.
Durch den unmittelbaren Abfall der Gestagenkonzentration, die durch den Fetus hervorgerufen wird, wird schließlich die Geburt eingeleitet. PGF2α und Oxytocin werden freigesetzt und sorgen für das Einsetzen der Wehen (Hoffmann, Leiser und Schuler 2005).

Störungen der Trächtigkeit
Störungen der Trächtigkeit können sowohl in der embryonalen Phase (Zeitpunkt der Konzeption bis zum Abschluss der Organogenese) als auch in der fetalen Phase (ab dem 40. Tag bis zur Geburt) auftreten. Sie können zum Fruchttod, zu einer Verkürzung oder einer Verlängerung der Trächtigkeit führen.