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Zuchttauglichkeitsuntersuchung bei der Stute

Grundsätzliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Pferdezucht sind

  • Allgemeingesundheit von Stute und Hengst,
  • augenscheinliche (phänotypische) Erbgesundheit und
  • Geschlechtsgesundheit beider Tiere.

Die Allgemeingesundheit der Tiere kann am besten durch eine weitgehend natürliche Haltung, konsequente Pflege und angepasste Fütterung erhalten werden. Hinzu kommen regelmäßige spezielle medizinische Vorsorgemaßnahmen wie Entwurmungen und Impfungen.

Eine für die Zucht vorgesehene Stute muss aber nicht nur allgemein gesund, sondern auch zuchttauglich sein. Zuchttauglich ist eine Stute (Klug 2003), wenn sie außer allgemein gesund auch eine normale Fruchtbarkeitsleistung erwarten lässt. Zur Feststellung der Zuchttauglichkeit einer Stute wird diese vom Tierarzt gynäkologisch untersucht.

Bei der speziellen gynäkologischen Untersuchung der Stute, die auch Zuchttauglichkeitsuntersuchung genannt wird, handelt es sich um die Begutachtung und Untersuchung der äußeren sowie der inneren Geschlechtsorgane der Stute durch den Tierarzt. Darüber hinaus kann sie weiterführende mikroskopische, bakteriologische und eventuell auch hormonanalytische Untersuchungen umfassen. Ziel der Zuchttauglichkeitsuntersuchung ist es, Kenntnis über die Geschlechtsgesundheit der Stute zu erlangen und (Handler 2005) einzuschätzen, ob sie befähigt ist, eine Leibesfrucht zu konzipieren, auszutragen, zu gebären und zu säugen (Kluge 2003).

Diese Untersuchung steht in jedem Fall vor einer bevorstehenden Belegung an, in der Regel sogar mehrfach, um den optimalen Belegungszeitpunkt zu erkennen. Sie sollte aber auch im Rahmen einer Ankaufsuntersuchung durchgeführt werden. Einigen sich die Parteien bei der Ankaufuntersuchung auf die Zuchttauglichkeitsuntersuchung zu verzichten, sollte dies jedoch bei der Zusicherung der Eigenschaften der Stute schriftlich berücksichtigt werden.
Zur Zuchttauglichkeitsuntersuchung gehört auch die Erhebung eines umfassenden Vorberichts. Dabei sind besonders die Aufmerksamkeit und das Wissen des Tierbesitzers bzw. des Tierhalters bzw. Pflegers von großer Wichtigkeit. Dazu gehört nicht nur die Erhebung des aktuellen Reproduktions- und Gesundheits- bzw. Vorbehandlungsstatus sowie des Alters der Stute, sondern auch die Erfassung der Zuchtgeschichte bzw. ihrer Vornutzung. Bei der Erhebung der Zuchtgeschichte interessieren vor allem vorangegangene Trächtigkeiten und Abfohlungen, der Zyklusverlauf, die Anzahl der Belegungen, mögliche Fruchtverluste sowie andere zurückliegende und für die Zuchttauglichkeit relevante Erkrankungen.

Anschließend erfolgt eine gründliche Betrachtung des Tieres in Ruhe und in der Bewegung. Da sich Erkrankungen aller Art negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken können, ist es für den Tierarzt wichtig, sich ein Bild vom Allgemeinzustand der Stute zu machen. Gleichzeitig wird das Verhalten der Stute aufmerksam beobachtet und ggf. das Sexualverhalten durch die Anwesenheit eines Hengstes provoziert bzw. stimuliert. Duldet die Stute dabei die Annäherung des Hengstes, hebt sie den Schweif oder hält ihn seitwärts und blitzt sie den Hengst dabei rhythmisch mit ihrer Klitoris an und setzt dabei kleine Mengen von Harn und Schleim ab, sind dies sichere Anzeichen dafür, dass sich die Stute in der Rosse befindet. Jedoch rosst jede Stute individuell, so dass diese Rosseanzeichen nicht immer erkennbar sein müssen (Handler 2005).

Stuten, die dagegen ein auffälliges oder abweichendes Sexualverhalten zeigen, sind einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen. In jedem Fall sollte in diesem Zusammenhang der hormonelle Status erfasst und morphologische Merkmale miteinbezogen werden (Klug 2003).

Daran schließt sich zunächst eine rektale Untersuchung und dann eine Ultraschalluntersuchung von Gebärmutter und Eierstöcken an. Anschließend erfolgt die Untersuchung von Vorhof, Klitoris und Scheide sowie des Gebärmuttermundes mit Hilfe eines Spekulums. Dabei wird zum einen auf Abnormitäten geachtet, zum anderen die Farbe und die Beschaffenheit der Schleimhaut in Hinblick auf den Zyklusstand beurteilt.
Je nach dem, aus welchem Grund eine Zuchttauglichkeitsuntersuchung vorgenommen wird, schließt sich jetzt im Falle einer gewünschten Belegung durch einen natürlichen Deckakt die Entnahme der Tupferproben für die bakteriologische Untersuchung an (Handler 2005).

Unkompliziert ist die Tupferprobenentnahme während der Rosse, da der Muttermund dann ohnehin geöffnet ist. Durch die Tupferprobenentnahme soll zum einen eine eventuelle Infektion des Hengstes beim Deckakt verhindert werden. Zum anderen soll das Risiko, dass die Stute nach dem Deckakt oder während der Gravidität eine Entzündung der Gebärmutter entwickelt, durch eine vorab durchgeführte Keimbestimmung und eventuelle Behandlung ausgeschlossen werden.

Der Nachweis von Taylorella equigenitalis, dem Erreger der meldepflichtigen kontagiösen Pferdemetritis (contagious equine metritis, CEM ), wird hingegen durch eine Tupferprobenentnahme aus der Klitoris geführt.
Den Abschluss einer routinemäßigen Zuchttauglichkeitsuntersuchung bildet die Untersuchung der Milchdrüse, da ihre Funktion eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Nachzucht darstellt (Handler 2005).

Von der Zuchttauglichkeitsuntersuchung deutlich zu unterscheiden ist die Trächtigkeitsuntersuchung. Diese erfolgt heutzutage in der Regel mittels Ultraschalluntersuchung. Damit ist eine bestehende Trächtigkeit bereits ab dem 10. Tag nach der Ovulation möglich.