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Zyklusbeeinflussung durch Gestagene

Die Gründe für eine Verzögerung bzw. Unterdrückung der Rosse sowie der Ovulation bei der Stute sind Managementerwägungen wie der Wunsch nach einer Belegung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Da Stute, Hengst oder Samen zu einem anderen Zeitpunkt auf Grund eines Turniereinsatzes oder am Wochenende nicht zur Verfügung stehen. Außerdem kann durch die Verabreichung von Gestagenen (Altrenogest) eine Zyklussynchronisation erreicht werden. Weiterhin indiziert ist die Gabe von Gestagenen für die Einleitung eines ovulatorischen Zyklus während der so genannten Übergangsperiode im Frühjahr und beim Wunsch nach einer möglichst frühen Konzeption bzw. Geburt im Jahr. Ein weiterer Grund kann die Unterdrückung der Rosse bei Reit- oder Rennpferden mit Verhaltensproblemen während der Rosse sein. Nicht zuletzt ist eine Gestagenbehandlung auch zur Verschiebung der Fohlenrosse und damit zur Verbesserung der Trächtigkeitsrate von Bedeutung.

Verzögerung und Unterdrückung von Rosse und Ovulation
Die Verzögerung und die Unterdrückung von Rosse und Ovulation ist bei der Stute durch die Verabreichung von Gestagenen möglich (Aurich 2005). Dafür kann das synthetisierte Gestagen Altrenogest den Tieren mit dem Futter oral oder direkt ins Pferdmaul verabreicht werden. Dadurch wird die Rosse und das Rosseverhalten in der Regel nach 2-3 Behandlungstagen zuverlässig unterdrückt (Hodgson et al. 2005). Die meisten Stuten (etwa 90 %) zeigen Rossesymptome innerhalb von 5 Tagen nach Absetzen von Altrenogest. Bei 60 % der Stuten erfolgt die Ovulation innerhalb von 4 Tagen zwischen dem 11. und 14. Tag nach Behandlungsende.
Wie groß nach dem Behandlungsende mit Altrenogest jedoch das Intervall bis zum Einsetzen einer Rosse und dem Auftreten der Ovulation ist, hängt wiederum vom Zustand der Ovarien zum Behandlungsende, aber auch von Jahreszeit ab (Aurich 2005; Webel und Squires 1982).

Synchronisation von Rosse und Ovulation
Mit Altrenogest kann die Rosse und die Ovulation einer Stute oder auch von Stutengruppen, z.B. zum Zweck eines erfolgreichen Embryotransfers oder aus Gründen des Management, zeitlich synchronisiert werden. Je homogener die auf den Ovarien der Stuten vorhandenen Follikel zum Zeitpunkt des Rossebeginns sind, desto größer ist die Möglichkeit zum Erreichen einer möglichst großen Zahl von Ovulationen in einem engen zeitlichen Fenster (Synchronizität).
Die am häufigsten zur Zyklussynchronisation verwendete Methode ist die mehrtägige orale Gabe von Altrenogest (Aurich 2005). Wird am letzten Behandlungstag, evtl. mit einer zweiten Injektion 24 Stunden später, Prostaglandin (PGF 2) verabreicht, wird sichergestellt, dass noch vorhandenes „störendes“ Gelbkörpergewebe rückgebildet wird. Die Rosse ist drei bis sechs Tage nach Behandlungsende zu erwarten.

Eine zweite Möglichkeit, die Rosse sowie die Ovulation einer Stutengruppe zu synchronisieren liegt in der zweimaligen Verabreichung von PGF2α im Abstand von 14 bis 15 Tagen. Die meisten (90 %) der behandelten Stuten kommen innerhalb von 6 Tagen nach Behandlungsende in die Rosse. Die Ovulation wird durch eine einmalige Applikation von hCG an Tag sechs nach der zweiten PGF2α – Gabe. Auch hier ovulieren 75 % der Stuten innerhalb von 96 Stunden. Der Großteil der Ovulationen findet bereits innerhalb von 48 Stunden statt (Aurich 2005).

Verschiebung der Fohlenrosse
Altrenogest kann außerdem erfolgreich zur Verschiebung der Fohlenrosse eingesetzt werden. Das Ziel ist das zeitliche Verlegen der Ovulation später als 15 Tage post partum, damit sich die Gebärmutter länger regenerieren kann. Dadurch steigen die Chancen für eine Konzeption deutlich an. Jedoch sollte eine solche Behandlung nur bei Stuten durchgeführt werden, bei denen Geburt und der Abgang der Nachgeburt ohne Störungen verlaufen sind (Aurich 2005).

Dauerhafte Unterdrückung der Rosse
Altrenogest kann auch zur dauerhaften Unterdrückung der Rosse bei Stuten mit Verhaltensproblemen während der Rosse und damit verbundenen Einschränkungen bei der sportlichen Nutzung des Pferdes, bedenkenlos angewandt werden. Jedoch wird die regelmäßige gynäkologische Kontrolle der Stuten empfohlen, um das Maß der Unterdrückung des Follikelwachstums einschätzen zu können. Ziel ist es, mit der geringsten Dosierung eine Unterdrückung des ovariellen Zyklus zu erreichen. Bei der langfristigen Behandlung von Renn- oder Turnierpferden ist jedoch vorher abzuklären, in wie weit eine solche Behandlung als leistungssteigernd (Doping) angesehen wird. Eine von Hodgson et al. 2005 zu dieser Fragestellung durchgeführte Studie erbrachte jedoch keine Hinweise darauf, dass die Verabreichung von Altrenogest über einen Zeitraum von 8 Wochen eine Zunahme der Körpermasse, eine Verbesserung der Kondition der Tiere bzw. eine Änderung ihres Verhaltens bewirkt.