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Erkrankung des Herzen bei der Katze

Kardiomyopathienstellen die Mehrheit der felinen kardiovaskulären Erkrankungen dar. Von den erworbenen Herzerkrankungen bei der Katze sind 95% Herzmuskelerkrankungen (Tilley et al. 2003). Es werden primäre (idiopathische) und sekundäre Formen (ernährungsbedingt, infiltrativ, entzündlich, toxisch, genetisch) der Kardiomyopathie unterschieden. Die primären Kardiomyopathien werden entsprechend ihrer Morphologie in eine hypertrophe, dilatative und restriktive Form eingeteilt (Schille 2001).

Die hypertrophe Kardiomyopathie gilt heute als die am häufigsten diagnostizierte Herzmuskelerkrankung der Katze (65-70%) (Tilley et al. 2003). Sie ist gekennzeichnet durch eine abnorme linksventrikuläre Hypertrophie. Diese führt zu einer diastolischen Dysfunktion, während die systolische Funktion meist unverändert ist. Sie kann idiopathisch, ohne eine zugrunde liegende systemische oder kardiale Erkrankung, oder sekundär als Folge einer systemischen (Hypertonie , Niereninsuffizienz), metabolischen (Hyperthyreose , Akromegalie) oder infiltrativen Erkrankung auftreten.

Die Hypertrophie des Herzmuskels stellt einen wichtigen Kompensationsmechanismus auf eine chronische Druck- und Volumenbelastung dar.

 

Sie führt zu einer Erhöhung des enddiastolischen Druckes bei einem reduzierten enddiastolischen Volumen. Durch die Hypertrophie des Herzmuskels kann es zu einer Verzerrung des Klappenapparates mit daraus resultierender Regurgitation kommen. Überwiegend treten symmetrische linksventrikuläre Hypertrophien auf. Weibliche Katzen sind weniger häufig betroffen als männliche und Langhaarkatzen seltener als Kurzhaarkatzen (Schille 2001).

 

Die dilatative Kardiomyopathie wurde früher häufiger diagnostiziert als heute. Da als Ursache ein Taurinmangel in der Nahrung erkannt wurde, ist die Häufigkeit dieser Herzerkrankung mit der Supplementierung von Taurin in das Katzenfutter zurück gegangen. Die dilatative Kardiomyopathie entspricht allerdings dem Endstadium vieler Herzerkrankungen. Die idiopathische Kardiomyopathie ist eher selten (Tilley et al 2003).

Bei der dilatativen Kardiomyopathie kann der Herzmuskel die erforderliche Pumpleistung nicht mehr aufrecht erhalten. Daraus resultieren ein reduziertes Herzschlagvolumen, ein erhöhtes endsystolisches und enddiastolisches Ventrikelvolumen und eine erhöhte Wandspannung des Herzmuskels. Die Dilatation der Kammer führt zu Verzerrungen des Klappenapparates mit folgender Regurgitation an den Atrioventrikular-Klappen. Dadurch sinkt das Herzschlagvolumen weiter und die Arterien dilatieren. Ein kongestives Herzversagen (Dekompensation) entsteht durch die verminderte Kontraktilität und das Versagen oder die Überkompensation von neuroendokrinen, hepatorenalen und peripheren Kompensationsmechanismen. Eine Rassendisposition scheint bei weißen Abessinier-, Siam- und Burmakatzen zu bestehen (Schille 2001).

 

Die restriktive Kardiomyopathie tritt eher selten auf und stellt keine einheitliche morphologische Erkrankung dar. Die diastolische Funktion des Ventrikels wird durch eine endokardiale, subendokardiale oder myokardiale Fibrose oder Infiltration behindert. Dies führt zu einer Behinderung der Kammerfüllung. Die systolische Funktion ist in der Regel nicht gestört. Eine Fibrosierung des Papillarmuskels, eine Verschiebung der Mitralklappen gegeneinander und Formveränderungen der linken Kammer führen zu einer Mitralklappenregurgitation und zur Vergrößerung des linken Vorhofes (Tilley et al. 2003).

 

Diagnostik
Insgesamt ist das Auftreten von Symptomen bei der Katze nicht so stark ausgeprägt wie beim Hund. Es tritt beispielsweise kein Husten auf. Ebenso ist die Belastbarkeit nur schwer zu beurteilen. Ein typisches Verhalten herzkranker Katzen ist es, sich in dunkle Ecken zurück zu ziehen. Auch zunehmend aggressive Reaktionen auf die Aufforderung zum Spiel durch eine vertraute Katze, können ein Hinweis für eine Herzerkrankung bei der Katze sein. Herzkranke Katzen zeigen am häufigsten (ca. 50%) Dyspnoe , reduzierte Aktivität und Inappetenz . Es ist aber auch möglich, dass selbst schwer herzkranke Katzen noch asymptomatisch erscheinen (Skrodzki 2003).

Symptome einer akute Herzinsuffizienz sind Dyspnoe , Mydriasis und Maulatmung (ängstlicher Gesichtsausdruck). Bei der Palpation ist auf einen verstärkt fühlbaren linksventrikulären Herzspitzenstoß zu achten. Bei der Auskultation sollte zunächst mit der Membran (Herzgeräusche) und dann mit dem Trichter (Galopprhythmus) des Stethoskops abgehört werden. Bei der Katze entspricht eine Herzfrequenz ≥ 260 Schläge pro Minute einer bedrohlichen Tachykardie (Herzinsuffizienz).

Stauungserscheinungen im Röntgenbild zeigen sich bei der Katze meist in einer fleckigen Verteilung im Spitzenlappen (cranial). Die Herzkonturen sind nur undeutlich zu erkennen.

Außerdem sind möglicherweise eine Kardiomegalieund Stauungserscheinungen der V. cava caudalis und der Lungengefäße erkennbar (Skrodzki 2003).

 

Eine bei der Katze häufig auftretende Komplikation der Kardiomyopathie ist die Thromboembolie . Je nach Lokalisation des Gefäßverschlusses kommt es zu unterschiedlichen Erscheinungsbildern, die jedoch alle durch die Ischämie bedingt sind.

 

Therapie
Für die Katze existieren bisher keine breit angelegten, randomisierten, prospektiven, kontrollierten Studien zur Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aus denen eindeutige Behandlungsmaßnahmen herzuleiten wären. In der Literatur werden auf Grund klinischer Erfahrungen für die Therapie von Herzerkrankungen bei der Katze u.a. die folgenden Therapeutika empfohlen:

 

ACE-Hemmer

Indikation: Kongestive Herzinsuffizienz

Wirkstoff: Ramipril

Wirkung: Gemischte (arteriell/venös) Vasodilatation und Blutdrucksenkung, Regression der kardialen Hypertrophie


Diuretika

Indikation: Flüssigkeitsansammlungen

Wirkstoff: Furosemid

Wirkung: Förderung der Wasser- und Elektrolytausscheidung, Senkung der Vorlast

Hinweis: Unerwünschte Stimulation des RAAS möglich

 

Digoxin

Indikation: dilatierter Kardiomyopathie, Vorhoftachykardie und –flimmern

Wirkstoff: Methyldigoxin

Wirkung: Positiv inotrop, negativ bathmo- und dromotrop

Hinweis:  nicht bei hypertropher Kardiomyopathie anwenden

Beta-Blocker

Indikation: hypertrophe Kardiomyopathie, Arrhythmien

Wirkstoff: Propanolol

Wirkung: Senkung der Herzschlagfrequenz, Blutdrucksenkung, Erhöhung der Kammerfüllung, Verminderung der
Kontraktilität des Herzmuskels

Als begleitende Maßnahmen sind eine natriumarme Diät und unter Umständen eine Einschränkung der Bewegung empfehlenswert.