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Risiken und Nebenwirkungen

Seit dem 18. Jahrhundert sind Impfungen das Mittel der Wahl zum Schutz vor bakteriellen und viralen Infektionskrankheiten. Aber wie alles im Leben, besitzen auch Impfungen nicht nur Vorteile, sondern beinhalten auch gewisse Risiken. So können Impfungen unter Umständen gewisse Nebenwirkungen verursachen. Ein zu 100 Prozent risikofreier Impfstoff existiert nicht. Jedoch ist der Nutzen einer Impfung zweifelfrei wesentlich größer als das damit verbundene Risiko (VAFSTF 2007). Die Antwort des Immunsystems auf die Applikation eines Impfstoffes ist dem gesunden Organismus in der Regel nicht anzumerken.

Jedoch sollten aktive Impfungen nur bei gesunden Tieren durchgeführt werden, um postvakzinale Komplikationen nach Möglichkeit zu vermeiden. Komplikationen können sich nämlich u.a. dadurch ergeben, dass Impfungen während der Inkubationszeit von Infektionen vorgenommen werden. Generell kommen solche postvakzinalenKomplikationen wie Impferkrankungen, Impfdurchbrüche und Impfschäden jedoch sehr selten vor (Suter und Hartmann 2006). Im Einzelfall wiegen sie jedoch schwer. Vor der Impfung handelt es sich um ein scheinbar gesundes Tier und die Verbindung Ursache-Wirkung scheint für den Besitzer offensichtlich. Daher sollten einer Impfung stets eine kurze Anamnese und eine gründliche Allgemeinuntersuchung mit Messung der Körpertemperatur vorausgehen (Suter und Hartmann 2006).

Bei Impferkrankungen handelt es sich um postvakzinale Komplikationen, die mit den im Impfstoff enthaltenen Antigenen bzw. Komponenten zusammenhängen. Dies können übermäßige lokale Reaktionen, Erkrankungen infolge von Restvirulenz verimpfter Erreger, Aktivierung subklinischer oder ruhender Erkrankungen bei Risikopatienten, allergische Reaktionen, Aborte, Autoimmunerkrankungen oder Veränderungen des Blutbildes (hämolytische Anämie oder Thrombozytopenie) sein. Außerdem können verwendete Adjuvantien u.U. Entzündungsreaktionen an der Impfstelle mit anschließender lokaler Abszessbildung hervorrufen (Moos 2006). Auftretende allergische Reaktionen bei Booster-Impfungen beruhen auf der Sensibilisierung des Organismus bei der Erstimpfung durch Impfstoffkomponenten.

Insbesondere bei der Katze kann es darüber hinaus an der Injektionsstelle zu einem Injektions-assoziierten Fibrosarkom kommen. Dabei handelt es sich um die Ausbildung von Tumoren an Injektionsstellen, und zwar unabhängig davon, ob ein Impfstoff oder ein anderer Arzneistoff injiziert wurde. Ausschlaggebend ist vermutlich das mit der Injektion einhergehende Trauma (Kirpensteijn 2006a). Hingegen konnte bislang ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einzelnen Impfstoffen oder Kombinationsvakzinen nicht nachgewiesen werden. Seit Anfang der neunziger Jahre wurde vermehrt die Vermutung geäußert, dass bestimmte Impfungen (Tollwut, FeLV) sowie die Häufigkeit der Impfungen dabei eine Rolle spielen könnten (Hendrick 1991, Kass et al. 1993). Vermutlich beruht die Entstehung des Sarkoms jedoch auf einem mehrstufigen Prozess, in den sowohl genetische, iatrogene und lokale Faktoren miteinfließen (Kirpensteijn 2006a).

Es wird davon ausgegangen, dass das Injektionstrauma als solches zu einer Überreaktion bei einigen Katzen führt (Kirpensteijn 2006a, Truyen 2006). Wird im Anschluss an eine Injektion eine überschießende Entzündung oder eine granulomatöse Reaktion beobachtet, kann dies als Prädisposition für eine Zellentartung an dieser Stelle gewertet werden (Kirpensteijn 2006a, Kessler 2005).

Außer an Impfstellen wurden Fibrosarkome aber auch nach der Injektion von beispielsweise Langzeitantibiotika und Depot-Steroiden beobachtet (Kass et al. 2003). Darüber hinaus könnte auch ein Zusammenhang zwischen der Ausbildung eines Injektionssarkoms und der Temperatur des injizierten Stoffes bestehen. Je kälter der injizierte Impfstoff, desto größer das Risiko (Kass et al. 2003). Die genaue Ätiologie ist bislang noch unklar. Fibrosarkome waren bei der Katze aber schon immer ein häufiger Hauttumor, die nicht erst seit Impfungen an Verbreitung gewonnen haben (LMU München). Untersuchungen zufolge beträgt das Risiko eines impfungsassoziierten Fibrosarkoms zwischen 1 : 3000 und 1 : 10.000 (Hendrick 1991, Kass 1993, Coyne et al. 1997, Kirpensteijn 2006a).

Einer epidemiologischen Studie zu Folge, bilden in den USA 0.63 Prozent von 10.000 Katzen ein Sarkom aus. Auf 10.000 Impfdosen bezogen, entwickeln sich 0,32 Prozent Sarkome (Gobar und Kass 2002).
Wie diese Zahlen zeigen, sind die Inzidenz und damit das Risiko eines Injektionssarkoms gering. Wird dieses Risiko dem Infektionsschutz von Impfungen gegenübergestellt, ist der Nutzen der Impfung um eine Vielfaches höher als die Gefahr einer Entstehung eines Injektionssarkoms.