Allgemeines zur enzootischen Bronchopneumonie des Rindes

Übersicht 1: Krankheitsverlauf der Enzootischen Bronchopneumonie beim Rind

Die infektiösen Erkrankungen des Atmungstraktes bei Kälbern werden in asaisonal vorkommende respiratorische Probleme insbesondere bei Kälberzukauf (crowding assoziierte Pneumonien) und saisonal auftretende Kälbergrippe, die vorwiegend in den Wintermonaten in Rinderbeständen auftritt, unterteilt (Wizigmann et al. 1976). In der Mehrzahl der Fälle werden die als Bestandserkrankung auftretenden klinischen Erscheinungen primär durch virale Erreger ausgelöst, die einen besonderen Tropismus zum Atmungstrakt des Kalbes aufweisen. Zusätzlich können Bakterien und zahlreiche Faktoren der Haltung und Fütterung beteiligt sein. Die eigentliche Rindergrippe wird daher auch als so genannte polyfaktorielle Erkrankung bezeichnet. 

Die hierbei nachgewiesenen Virusarten sind in den meisten landwirtschaftlichen Betrieben bereits vorhanden. Erst durch ungünstige Umweltfaktoren, wie etwa ein Stallklimawechsel, führen diese Erreger zu akuten Krankheitserscheinungen. Bereits wenige Tage nach Krankheitsbeginn wird der weitere Krankheitsverlauf durch hinzutretende bakterielle Sekundärinfektionen bestimmt (siehe hierzu auch Übersicht 1). 

Nur in wenigen Fällen kann von einer primär bakteriellen Erkrankung gesprochen werden, die insbesondere durch äußerst schlechte Haltungsbedingungen, ungünstige Stallklimasituationen wie zum Beispiel hohe Schadgasbelastungen und Stressfaktoren ausgelöst werden (siehe auch Fokusthema Rindergrippe). Neben den erwähnten mikrobiellen und haltungsbedingten Ursachen besteht bei Kälbern auf Grund der anatomischen und physiologischen Gegebenheiten des Atmungstraktes eine besondere Disposition für respiratorische Erkrankungen (siehe Übersicht 2)

Übersicht 2: Fördernde Faktoren für Atemwegserkrankungen beim Rind

  • Je ein Bronchus pro Lungensegment
  • Keine Kollateralventilation über akzessorische Atemwege
  • Wenige Kapillaren pro Alveoleneinheit
  • Postnatales Lungenwachstum erst nach 30 Tagen
  • Vollständige Lungenreife nach 1 Jahr

Während die viralen Erreger nur mittels prophylaktischer Maßnahmen wie Impfungen und Verbesserung der Umweltbedingungen zu bekämpfen sind, steht bei bakteriellen Erkrankungen eine Therapie mit Antibiotika und Chemotherapeutika im Vordergrund. Weiterhin ist eine – je nach Pathogenese und klinischer Erscheinung – symptomatische Behandlung angezeigt. 

Eine erfolgreiche Bekämpfungsstrategie erfordert generell ein systematisches Vorgehen und ergibt sich im Wesentlichen aus:

  • Diagnostischen Maßnahmen zur Ursachenklärung
  • Behandlungskonzepten für bereits erkrankte Tiere
  • Erstellung eines Vorbeugeprogrammes für künftige Aufzuchtgenerationen     

Eine besondere Stellung unter den viralen Erkrankungen der Atemwege nimmt die Infektion mit dem Bovinen Respiratorischen Synzytial-Virus (BRSV) ein. Hier kommt es aufgrund der speziellen Pathogenese bei einem Teil der Tiere zu dramatischen Krankheitsverläufen mit hochgradiger Atemnot, trockenem Husten und plötzlichen Todesfällen.

Auch eine Infektion mit dem BVD -Virus kann neben vielfältigen Krankheitserscheinungen im Rinderbestand aufgrund seiner schädigenden Wirkung des Immunsystems zu Atemwegserkrankungen in der Kälberaufzucht führen. Durch Herabsetzen der Abwehrbereitschaft wird anderen im Stall vorhandenen viralen und bakteriellen Erregern Vorschub geleistet.