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Maßnahmen zur Antibiotikaminimierung

Spätestens zwei Monate nach Bekanntwerden der Kennzahlen muss der Tierhalter prüfen, ob seine betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit (pro Tierart, pro Nutzungsart, pro Betrieb laut Registriernummer) oberhalb der bundesweiten Kennzahlen liegt. Der Tierhalter ist verpflichtet, das Ergebnis in seinen Betriebsunterlagen aufzuzeichnen. Wird dabei die anhand des Bundesdurchschnitts für diesen Betriebstyp ermittelte Kennzahl 1 oder 2 überschritten, müssen Maßnahmen zur Antibiotikaminimierung erarbeitet und ergriffen werden.


Kennzahl 1

Liegt ein Betrieb dabei in der oberen Hälfte aller Betriebe (Kennzahl 1), sind Landwirt und Tierarzt lediglich aufgefordert, gemeinsam die Ursachen für den erhöhten Antibiotika-Einsatz aufzudecken und Maßnahmen zu ergreifen, die zur Reduktion der Antibiotika-Verwendung führen.


Kennzahl 2

Liegt ein Betrieb im oberen Viertel (Kennzahl 2), muss der Tierhalter nach Beratung mit seinem Tierarzt innerhalb von zwei Monaten unaufgefordert einen schriftlichen Maßnahmenplan zur Senkung des Antibiotika-Einsatzes bei der zuständigen Behörde einreichen. Lassen sich die Maßnahmen nicht innerhalb von sechs Monaten umsetzen, ist dem Konzept ein Zeitplan beizulegen.

Bei mehrfachem Überschreiten der Kennzahl 2 kann der Landwirt von der zuständigen Behörde aber auch zu weiteren Maßnahmen verpflichtet werden.

Dazu zählen:

  • Anordnen bestimmter Schutzimpfungen
  • Änderung des Minimierungsplans
  • Änderungen in Haltung und Fütterung
  • Verringerung der Besatzdichte und Bestandgröße
  • Verbesserung der Hygienemaßnahmen
  • Übermittlung weiterer Daten zur Abgabe und Anwendung von Antibiotika

Die zuständige Behörde kann aber auch Daten und Erkenntnisse von anderen Behörden, die die Betriebe beispielsweise im Bereich Tierschutz und Lebensmittelhygiene kontrollieren, anfordern, wenn der Verdacht auf einen Verstoß gegen arzneimittelrechtliche Vorschriften besteht. Als Ultima Ratio kann die Behörde das Ruhen der Tierhaltung für bis zu drei Jahren anordnen.


Wenn die Meldungen nicht erfolgen oder Anordnungen nicht befolgt werden, können Bußgelder verhängt werden.
Diese und weitere Maßnahmen sollen alle dazu führen, dass die Therapiehäufigkeit in den Betrieben insgesamt und von Erhebung zu Erhebung sinkt. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) stellte jedoch gleichzeitig klar: "Ein Zurückfahren auf null ist unrealistisch, denn wir können und wollen keinem kranken Tier eine angemessene Behandlung verwehren."
Weitere Effekte des Minimierungskonzeptes liegen darin, dass – wo notwendig – Konzepte für verbesserte Hygienebedingungen entwickelt werden, dass sich der Gesundheitsstatus von Tieren dadurch verbessert und dass alle Beteiligten sich mehr Sachkunde aneignen müssen als bisher. "Von den neuen Regelungen profitieren am Ende alle: Verbraucher, Tiere, Tierhalter und Tierärzte", so Schmidt.
Im Jahr 2019 ist eine Bewertung der in der 16. AMG-Novelle festgelegten Strategien geplant.