Nein. Derzeit existieren keine anerkannten, praxistauglichen Alternativen zur chirurgischen Kastration, um den unerwünschten Ebergeruch zuverlässig zu verhindern. Zwar wurde die Forschung nach Alternativen in den letzten Jahren sowohl national wie international intensiviert. So wurde z.B. das Projekt PIGCAS ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, den derzeit praktizierten Status quo bei der Ferkelkastration bzw. der Ferkelaufzucht in den einzelnen EU-Mitgliedsländern zu erfassen, als auch den derzeitigen Wissensstand über die Alternativen zusammen zu tragen, um anschließend Empfehlungen für das künftige Vorgehen zu geben. Bis es soweit ist, haben sich die deutschen Schweineerzeuger und der Einzelhandel jedoch für die Zwischenlösung „Kastration in Verbindung mit stark wirksamen Analgetika“ geeinigt, um das Leiden der Tiere zu minimieren.
Die Niederlande und Belgien haben sich unterdessen – ebenfalls auf freiwilliger Basis – für die Kastration unter CO2/O2-Narkose entschieden. In der Schweiz ist dagegen ab 2009 die Kastration unter Isofluran-Narkose vorgeschrieben. In Norwegen durften Ferkel seit 2002 nur noch unter Lokalanästhesie kastriert werden, ab 2009 wird die Ferkelkastration dort gänzlich untersagt. Alternativ steht dort jetzt nur die so genannte Ebermast zur Verfügung, wie sie vor allem in Großbritannien, Irland und großenteils in Spanien bereits seit Jahren praktiziert wird. Daran ist jedoch ein geringeres Schlachtgewicht und damit eine verkürzte Lebenszeit der Schweine geknüpft, um die Entstehung des Ebergeruchs mit Einsetzen der Geschlechtsreife zu verhindern.