Prae- und postoperatives Schmerzmanagement mit Flunixin
Da es noch keine praxistauglichen Alternativen zur chirurgischen Kastration von Saugferkeln gibt, haben sich Erzeuger und Einzelhandel in Deutschland darauf geeinigt, Ferkel ab 2009 zwar weiter ohne Betäubung, dafür aber unter dem Einsatz eines Entzündungshemmers mit starker schmerzlindernder Wirkung zu kastrieren (Details siehe Kapitel 2.2. LINK). Während Narkotika und Anästhetika über eine induzierte Bewusstlosigkeit zu einer kurzzeitigen Schmerzausschaltung führen, lindern so genannte „starke Analgetika“ oder als „Nicht-steroidale Antiphlogistika“ („non steroidal anti inflammatory drugs“ = NSAID) bezeichnete Präparate, die unmittelbar vor der Kastration verabreicht werden, über viele Stunden die postoperativen Schmerzen. Sie greifen dazu an verschiedenen Mechanismen der Schmerzentstehung und -weiterleitung oder peripher im Bereich der Schmerzrezeptoren an (Kietzmann et al. 2002; Löscher 2006).

Z.B. wirkt Flunixin bei Kolik-bedingten Schmerzen (beim Pferd) und vor allem bei entzündlich bedingten Schmerzen (z.B. bei MMA bei der Sau) und wird auch oft postoperativ eingesetzt.

Der Einsatz von NSAID bei der chirurgischen Kastration lindert den Wundschmerz und die Entzündungserscheinungen bis 24 Stunden nach der Kastration. Das wirkt sich außerordentlich positiv auf das Verhalten der Tiere aus (kein Trauern und Flankenzittern, schnellere Rückkehr an das Gesäuge). Gegen den „scharfen Operationsschmerz“ hat dagegen selbst die Gabe 15 Minuten vor der Kastration wenig Einfluss.
Ergebnisse einer aktuellen Dissertation von Langhoff (2008) zeigen jedoch, dass die genannten Präparate die Stress-durch-Schmerz-bedingte Cortisolausschüttung im Vergleich zu Tieren, die keinen Entzündungshemmer mit starker analgetischer Wirkung bekommen hatten, signifikant senken. Außerdem zeigen medikierte Ferkel nach der Kastration wesentlich seltener Anzeichen kastrationsbedingter Schmerzen wie Hängenlassen des Schwanzes und Positionswechsel. In der Arbeit heißt es: „Die mit Flunixin vorbehandelten Tiere unterscheiden sich bereits nach einer Stunde bezüglich der kastrationsbedingten Schmerzhinweise nicht mehr von den unkastrierten Tieren“ (Langhoff 2008).
