Steckbrief Saugferkelkastration



In der EU werden jedes Jahr rund 100 Millionen (> 80 %) männliche Ferkel chirurgisch kastriert, um die Ausbildung des so genannten Ebergeruchs zu verhindern. Allein in Deutschland sind derzeit jedes Jahr mehr als 20 Millionen Ferkel betroffen. Obwohl die chirurgische Kastration einen äußerst schmerzhaften Eingriff darstellt, wurde dieser bislang ohne Betäubung oder die Gabe von schmerzlindernden Arzneimitteln durchgeführt.

Auf Grund zunehmender Proteste von Seiten der Tierschützern und sinkender Akzeptanz von Seiten der Verbraucher, haben sich die Erzeugergemeinschaften und der Einzelhandel in Deutschland darauf geeinigt, Ferkel künftig nur noch in Verbindung mit der Gabe von schmerzlindernden Arzneimitteln zu kastrieren, um den postoperativ auftretenden Kastrationsschmerz zu lindern.

Dazu eignen sich nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID)  mit starker analgetischer Wirkung. Zu ihnen zählen die Wirkstoffe Flunixin und Meloxicam, die beide den Wundschmerz und die Entzündungserscheinungen bis 24 Stunden nach der Kastration stark lindern. Das wirkt sich außerordentlich positiv auf das Verhalten der Tiere aus. Sie zeigen keine Anzeichen von Trauern, kein Flankenzittern und kehren nach der Kastration schneller wieder an das Gesäuge zurück, als Ferkel, die ohne solche schmerzlindernden Entzündungshemmer kastriert wurden. Die Kosten für dieses Vorgehen liegen pro Ferkel bei wenigen Cent.

Beide Wirkstoffe sind zwar für den Einsatz beim Schwein zugelassen, die Zulassung für die Indikation „Saugferkelkastration“ steht jedoch noch aus. Es ist aber davon auszugehen, dass diese in Kürze erteilt wird. Bis es soweit ist, können Tierärzte die für Schweine zugelassenen NSAID umwidmen.

Erklärtes langfristiges Ziel ist es jedoch, auf die Ferkelkastration in Zukunft ganz zu verzichten. Derzeit fehlen jedoch entsprechende praxistaugliche Alternativen, weshalb die Kastration bei gleichzeitiger Gabe schmerzlindernder Entzündungshemmer eine tierschutzgerechte Übergangslösung darstellt, die von der QS Qualität und Sicherheit GmbH derzeit empfohlen und wohl in Kürze vorgeschrieben sein wird. In Deutschland sind mittlerweile gut 80% der Sauen „QS-Sauen“.