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Einsatz in der Veterinärmedizin

Die Anwendung von Heilpflanzen beim Tier hat eine lange Tradition. Die Anfänge liegen viele Jahrhunderte zurück. So finden sich Handbücher zur Tierheilkunde, die aus dem 17. Jahrhundert stammen. Ihre Inhalte beruhten jedoch vorwiegend auf Erfahrungen der Volks- und Humanmedizin. Mit der Gründung der ersten veterinärmedizinischen Schulen in Europa (ab dem Jahr 1762) bis etwa zum Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Heilpflanzenkunde der Veterinärmedizin dann einen gewissen Aufschwung. Jedoch wurde ihr Einsatz dann durch die rasant voranschreitende Entwicklung konventioneller Arzneimittel erneut zurückgedrängt, obgleich noch vor 60 Jahren pflanzliche Arzneimittel zum Arzneischatz jedes praktizierenden Tierarztes gehörten (Briendieck-Worm 2011).
In den letzten Jahren hat die Nachfrage nach alternativen Heilmethoden und naturnahen Therapieverfahren jedoch wieder deutlich zugenommen und zwar nicht nur für die Behandlung von Menschen, sondern auch für die von Pferden, Haus- und Nutztieren (Reichling et al. 2005, Liebisch 2008).
Mit Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins hin zu einer „gesünderen” Lebensweise erlebte die Pflanzenheilkunde in den Bereichen Prävention, Therapie und Ernährung einen neuen Aufschwung (Heinze 1998). Hauptgrund für den vermehrten Einsatz von Heilpflanzen ist der Wunsch nach der Reduktion chemisch-synthetischer Arzneimittel, um Rückstände in Lebensmitteln tierischer Herkunft möglichst zu vermeiden (Reichling et al. 2005). Dies erhöht auch das Interesse der Biobauern an pflanzlichen Arzneimitteln, da ihr Einsatz nicht limitiert und keine Rückstandsproblematik sowie Wartezeiten gegeben sind. Phytotherapeutika wurden vor allem zur Behandlung von Euterentzündungen beim Rind und gegen Durchfallerkrankungen beim Kalb eingesetzt, wie eine Umfrage unter 358 „Biobauern“ ergab (Krull 2002). Doch stellen vor allem im Nutztierbereich Kosten- und Zeitaufwand sowie Anwendungsbeschränkungen bei lebensmittelliefernden Tieren limitierende Faktoren dar (Heinze 1999). Hinzu kommt, dass viele Tierärzte bislang wenige Erfahrungen im Einsatz von Phytotherapeutika haben und ihr Einsatz bislang von untergeordneter Bedeutung ist (Lauen 2006).
Einer Umfrage unter Tierärzten kann entnommen werden, dass zwar rund 50% der Pferdepraktiker und etwa 40% der Rinderpraktiker auch pflanzliche Arzneimittel zur Therapie einsetzen. Im Schweinebereich betrug ihr Anteil jedoch nach eigenen Angaben keine 20%, der Einsatz im Bereich Geflügel war noch geringer (Lauen 2006).
Hinweis: Vor dem Einsatz bei Turnier- oder Rennpferden sollten in jedem Fall die aktuell geltenden Doping-Bestimmungen geprüft werden, da auch pflanzliche Arzneimittel eine aufputschende Wirkung besitzen können.