Impfungen
Eine prophylaktische Impfung gegen die Geflügelpest ist in Deutschland und der EU verboten. Im Falle eines Ausbruchs kann die zuständige Behörde jedoch Ausnahmen vom Impfverbot erlassen. Näheres regelt die Geflügelpest-Verordnung und die Richtlinie 2005/94/EC.
Vorteile
Durch eine Impfung der Tiere können sich die Tiere zwar weiterhin mit dem Virus infizieren, und zwar auch mit dem für die Impfung verwendeten Subtyp. Damit es aber zu einer Infektion kommt, ist eine deutlich erhöhte Infektionsdosis, also Virusmenge, notwendig. Darüber hinaus scheiden geimpfte Tiere entweder kein oder wesentlich weniger Virus aus als nicht geimpfte.13 Auch ist der Ausscheidungszeitraum von Virus bei geimpften Tieren deutlich kürzer.12 Dadurch kann der Infektionsdruck gesenkt werden. Außerdem zeigen geimpfte Tiere nur selten oder nur leichte klinische Symptome einer Erkrankung und Verluste unter geimpften Tieren sind sehr selten.9
Nachteile
In seuchenfreien Regionen verschlechtern prophylaktische Impfungen von Geflügel jedoch die Kontrolle, da keine eindeutige Unterscheidung von geimpften Tieren und mit Feldvirus infizierten Tieren möglich ist. Zusätzlich wird nach Meinung von Wissenschaftlern des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ein selektiver Druck ausgeübt, der zu einer antigenen Drift (Details siehe Kapitel 2.3.4. LINK) des auftretenden aviären Influenzavirus führen könnte.9
Impfstoffe
In der EU sind verschiedene Inaktivatvakzinen zugelassen, die nach 2. Impfungen einen zuverlässigen klinischen Schutz erzeugen. Jedoch wird durch die Impfung die Erregerausscheidung nicht vollständig unterbunden, so dass die Gefahr einer unerkannten Verschleppung besteht.23 Außerdem ist der Aufwand für die Durchführung einer solchen Impfung auf Grund der intramuskulären Verabreichung enorm.
Darüber hinaus ist in den USA ein rekombinanter Lebendimpfstoff auf der Basis des Geflügelpockenerregers für Hühner zugelassen.
Wissenschaftlern vom FLI entwickeln derzeit gemeinsam mit Partnern aus der Industrie einen kombinierten Markerimpfstoffes gegen die Newcastle Disease und die Geflügelpest.21

Nach ersten Tests bildeten Hühner einen guten Schutz gegen beide Krankheiten aus. Ein ebenfalls am FLI entwickelter Bluttest ermöglicht es, die nach einer Influenzavirus-Infektion gebildeten Antikörper von denen nach Impfung sicher zu unterscheiden. Die Kombinationsvakzine kann ohne großen Auswand an große Tierzahlen verabreicht und außer bei Hühner auch bei anderen Geflügeltypen eingesetzt werden.24
Generell besteht jedoch bei prophylaktisch durchgeführten massenhaften Schutzimpfungen die Gefahr, dass sich das Feldvirus unter einer
Impfdecke unbemerkt ausbreiten kann. Dies wäre z.B. dann möglich, wenn der Impfschutz durch unzureichende Wirksamkeit der Impfstoffe oder fehlerhafte Applikation nur unvollständig ausgebildet wird. Hierzu liegen umfangreiche Erfahrungen u.a. aus Mexiko und Italien vor. Daher muss besonderer Wert auf eine hohe Wirksamkeit, auch unter Feldbedingen (Massenapplikation) gelegt werden. Zudem müssen empfindliche, praktikable und für Massenuntersuchungen einsetzbare Markerdiagnostiksysteme verfügbar sein, um eine solche Ausbreitung schnell und sicher zu diagnostizieren.20 Außerdem müssen immer begleitende Maßnahmen wie die Tötung infektionsverdächtiger Tiere hinzukommen.9 Der Erfolg solch eines kombinierten Vorgehens zeigt sich an Beispielen aus den USA, Mexiko, Italien, Pakistan und Hongkong.13
Im Falle eines Ausbruchs in viehdichten Regionen kann es jedoch sinnvoll sein, Impfungen innerhalb eines umschriebenen Impfgürtels durchzuführen, um die Virusausscheidung zu reduzieren und eine weitere Verbreitung zu verhindern. Der Nutzen einer Impfung von Geflügel gegen aviäre Influenza hängt aber generell von der epidemiologischen Situation und dem allgemeinen Entwicklungsstand der betroffenen Region und/oder des Landes ab.22 Tritt die Tierseuche bei bestimmten Geflügelarten oder bei Wildvögeln endemisch auf, kann eine ordnungsgemäße Impfung parallel zu den konventionellen Quarantäne- und Sanierungsmaßnahmen sinnvoll sein, um die Menge an zirkulierendem Virus zu verringern.9 Die Erfahrungen verschiedener Länder, in denen eine flächendeckende Impfung im Rahmen der Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt wurde, zeigen, dass die Impfung ein geeignetes Mittel ist, um die Verbreitung des Virus bei Ausbruch der Krankheit einzuschränken.9,13
Die prophylaktische Impfung als unterstützende Maßnahme kann vor allem in Ländern, deren Veterinärsysteme und lokale Infrastrukturen von der Tierseuche überfordert werden könnten, eingesetzt werden.9
Solche prophylaktischen Impfungen könnten vor allem auch das Kontaktrisiko für den Menschen verringern.9,13 Dieser Aspekt sollte nicht unterschätzt werden, besonders bei Kontakt mit einem Virus wie dem derzeit in Asien grassierenden H5N1, das ein erhebliches zoonotisches Potential zeigt und gegen das zudem keine für den Menschen geeigneten Impfstoffe zur Verfügung stehen.9,22
Humanimpfstoffe
Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) bereits im Jahr 2007 den ersten Humanimpfstoff gegen das Geflügelpest-Virus zugelassen. Antigen ist der H5N1-Stamm Vietnam (Clade 1), der die meisten Infektionen beim Menschen hervorgerufen hat. Die US-Regierung hat die 13 Millionen Einheiten des Impfstoffes einlagert, so dass im Notfall 6,5 Millionen Menschen geimpft werden können. In den Handel gelangte der Impfstoff dagegen nicht.25