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15 März 2018

Pferde

Interview mit Prof. Dr. Georg von Samson-Himmelstjerna

Freie Universität Berlin/Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin

 

NEU_Prof. Dr. Georg von Samson-Himmelstjerna 

 

 

Wie sollte in einem Pferdebetrieb das Wurmkur-Management organisiert werden?
Grundsätzlich sollte die Bekämpfung von Wurminfektionen bei Pferden systematisch geplant, fachkundig überwacht und koordiniert durchgeführt werden. Hierzu sollte ein Maßnahmenpacket aus diagnostischen Untersuchungen, Hygienemaßnahmen (Stall-, Weidehygiene, Quarantänebehandlungen bei Neueinstallungen) und altersgruppen- bzw. bestandsspezifischen Behandlungen zum Einsatz kommen. 

Was ist bei Pferden zu beachten, die neu in einen Stall kommen?
Diese sollten mittels Kotprobenuntersuchung auf mögliche Eiausscheidungen untersucht und im positiven Fall behandelt werden. Wichtig ist dabei, dass die Pferde erst nach dem Nachweis einer erfolgreichen Behandlung mittels Kotprobenuntersuchung, auf die Weide gelassen werden.

Die Resistenzen von Würmern nehmen zu. Wie lassen sich Resistenzen vermeiden?
Als wichtigste Ursachen für die Entstehung von Wurmmittelresistenzen werden eine hohe Behandlungsfrequenz und -intensität sowie Unterdosierungen angesehen. Dem entsprechend sollte die Häufigkeit der Wurmbehandlung möglichst niedrig sein, allerdings ohne dabei auf den erforderlichen Schutz vor Wurmerkrankungen zu verzichten. Die Ausbreitung von Resistenzen geschieht vermutlich vor allem durch den Standortwechsel von Pferden die resistente Wurmpopulationen in sich tragen in andere Betriebe. Daher ist die oben angegebene Kontrolle bzw. Behandlung bei Neueinstallungen so wichtig.

Ist die Selektive Entwurmung eine Möglichkeit Resistenzen zu vermeiden?
Hierzu gibt es für die Anwendung bei Pferden bisher soweit ich weiß keine wissenschaftlichen Nachweise, allerdings ist dies für die Anwendung bei kleinen Wiederkäuern gezeigt worden. Es ist wahrscheinlich, dass die Behandlung bei nur einem Teil der Tiere eines Bestandes die Resistenzselektion auch bei Pferden deutlich vermindert. Die selektive Entwurmung darf allerdings ausschließlich bei erwachsenen, das heißt mindestens fünfjährigen, Pferden angewendet werden. Diese werden grundsätzlich weniger oft als Fohlen und Jährlinge entwurmt. Dadurch ist der Effekt der selektiven Entwurmung auf die Entstehung von Wurmmittelresistenzen bei Pferden begrenzt.

Gibt es Unterschiede bei verschiedenen Haltungsformen? Beispiel Offenstall bzw. Boxen?
Grundsätzlich sind Pferde die keinen Weidegang haben einem deutlich niedrigeren Infektionsrisiko, zum Beispiel hinsichtlich der großen und kleinen Strongyliden, ausgesetzt. Diese Haltungsform hat insofern aus parasitologischer Sicht Vorteile, allerdings entspricht sie natürlich nicht einer artgerechten Haltung und das Wurminfektionsrisiko ist  auch kein Grund für eine reine Stallhaltung, da es ja geeignete und wirksame Bekämpfungsmaßnahmen gibt.

Welche Rolle spielen Aufzuchtbetriebe in der Entwicklung von Resistenzen?
Wie bereits gesagt, ist die Behandlung von Fohlen und Jährlingen mit Wurmmitteln deutlich häufiger nötig als bei erwachsenen Pferden. Dies führt naturgemäß zu einem höheren Resistenzselektionsdruck und spiegelt sich entsprechend auch in dem häufigeren Auftreten resistenter Wurmpopulationen, zum Beispiel des Spulwurms, auf Gestüten wieder.

Welche Unterschiede gibt es bei der Entwurmung von Stuten, Fohlen und Jährlinge?
Fohlen sollten während des ersten Lebensjahres in circa dreimonatigem Abstand entwurmt werden. Dabei sollte auf Bestandsebene durch wiederholte Kotprobenuntersuchungen geklärt werden, welche Würmer vorkommen und ob Wurmmittelresistenzen bestehen. Auch Jährlinge bedürfen einer intensiveren Wurmbekämpfung als erwachsene Pferde. Grundsätzlich sollten auch sie in den gleichen Zeitabständen behandelt werden, wobei je nach Infektionssituation zum Beispiel auf die Behandlung in den Wintermonaten verzichtet werden kann. Stuten sollten, wie andere erwachsene Pferde auch, mindestens zweimal im Jahr entwurmt werden. Eine Entwurmung zum Abfohltermin, mit dem Ziel der Vermeidung der über die Stutenmilch übertragenen Zwergfadenwurminfektionen bei Fohlen, ist nur dann zu empfehlen, wenn dieser Parasit auf dem betreffenden Bestand nachgewiesen wurde.