Lexikon

Abort

Abgang der Frucht vor Erreichen der unteren Grenze der physiologischen Tragezeit. Frucht ist nicht lebensfähig.

Adjuvans

Unspezifisch wirsame Substanz, die in Kombination mit Antigenen einen verstärkten, schnelleren und länger anhaltenden Immunisierungseffekt bewirkt. Es spielt besonders bei der Applikation von Todvakzinen eine große Rolle. Meist handelt es sich dabei um anorganische Kolloide. Der immunstimmulierende Effekt wird durch die langsamere Resorption und die daraus resultierende Verweildauer an der Injektionsstelle begünstigt.

aerogen

Durch Luft übertragen, über die Luftwege erworben.

Aldehyd

Vertreter einer vielgestaltigen organischen Verbindungsklasse, die durch die Aldehyd- oder Formylgruppe gekennzeichnet ist. Die Aldehydgruppe ist sehr reaktiv. Aldehyde sind in der Natur weit verbreitet (Zucker, ätherische Öle, ranzige Fette).

Antikörper

Proteine, die aufgrund ihrer elektrophoretischen Eigenschaften zu den Gamma-Globulinen (Ig) gezählt werden, häufig aber als Immunglobuline bezeichnet werden. Es gibt fünf Hauptarten: IgG, IgM, IgA, IgD, IgE und speziesspezifische Unterklassen (z.B. IgG1). Sie werden auf einen immunogenen Reiz hin gebildet und reagieren spezifisch mit dem Antigen, das ihre Bildung indiziert hat.

attenuiert

Gezielte künstliche Abschwächung oder Aufhebung der Virulenz eines vermehrungsfähigen, pathogenen Mikroorganismus für einen bestimmten Wirt oder eine bestimmte Zellart unter Erhalt der Vermehrungsfähigkeit

avirulent

Ausdruck für das Fehlen krankmachender Eigenschaften eines bestimmten Mikroorganismus aus einer pathogenen Spezies.

Challenge

Belastungsinfektion;
Immunitätstest, bei dem die Belastbarkeit einer Immunität durch eine experimentelle Infektion geprüft wird. Dient dem Nachweis der Wirksamkeit von Impfstoffen.
Dazu wird eine Tiergruppe mit dem zu testenden Impfstoff immunisiert. Nach Ausbildung der Immunität wird diese Tiergruppe gemeinsam mit einer unbehandelten Kontrollgruppe dem entsprechenden Pathogen ausgesetzt und die Reaktion beider Gruppen beobachtet.

Crowding

Zusammenbringen oder Halten von Tieren aus unterschiedlichen Biotopen in hoher Besatzdichte.

Degeneration, ballonierend

Zytopathogere Effekt

Deletion, deletiert

Verlorengehen eines Genombereiches eines Virus durch eine Mutation;

Chromosomensegmentverlust (Verlust eines DNA-Segments) infolge einer Mutation.

Differenzialdiagnose

Unterscheidung und Abgrenzung von Krankheiten mit ähnlichen Krankheitsbildern.

DIVA

differentiating infected from vaccinated animals, Überbegriff für markierte Impfstoffe

ELISA

Enzyme linked immuno sorbent assay;

sensitiver Enzymimmunotest bei der spez. Antikörper (oder Antigne) gegen das zu bestimmenden Antigen (oder Antikörper) an einen Träger gebunden sind. Nach der AG-AK-Reaktion werden die Immunkomplexe an einen weiteren Antikörper gebunden. Dieser ist mit einem Enzym gekoppelt. Nach der Reaktion mit einem chromogenen Substrat erfolgt eine photometrische Messung. Wertvolles Diagnostikum für den Routine-Einsatz bei der Tierseuchenbekämpfung

Epithelgewebe

Geschlossene Zellverbände, die
1. als Oberflächen- oder Deckepithel die Körperoberfläche und alle inneren Oberflächen auskleiden,
2. als Drüsenepithel im Dienste der Sekretion oder 3. als Sinnesepithel der Reizaufnahme dienen.
Sie gehen aus allen drei Keimblättern hervor.
Das Oberflächenepithel wird nach morphologischen Kriterien in einschichtiges, mehrstufiges und   mehrschichtiges Epithel eingeteilt.

Feldvirus

unter natürlichen Bedingungen in der Umwelt vorkommendes Virus

FKS, Fetales Kälberserum

Für die Anzüchtung von Zellen häufig verwendetes Kulturmedium, das zahlreiche Nährstoffe für nahezu alle Zellen enthält.

Ganglion, Sakralganglion

Trigeminalganglion

Anhäufung von Nervenzellen bzw. von Nervenzellkörpern (Perikarya), die aufgrund der Einbeziehung von Glia und Bindegewebe zum Teil einen organartigen Charakter haben können.

Glykoprotein

Ein Protein (Eiweiß), das einen Zuckerrest besitzt.

gE  Glykoprotein

Das BHV1 Genom umfasst einen langen und einen kurzen Bereich. Der kurze Genombereich enthält u.a. ein spezielles Glykoprotein, das Glykoprotein E, gE. Durch Deletion entsteht eine Markierung (Negativ-Marker)

Genom

Haploider (einfacher) Chromosomensatz mit der Gesamtheit seiner Erbfaktoren.

  Glukokortikoide

Steroidhormon der Nebennierenrinde. Die wichtigsten natürlichen Glukokortikoide sind das Kortisol, Kortikosterol und das Kortisolabbauprodukt Kortison.

Hämatogen

auf dem Blutweg; mit Hilfe des Blutes; dem Blut entstammend

Humoral

Die Körperflüssigkeit betreffend, auf dem Weg über die Körperflüssigkeit erfolgend (häufig im Zusammenhang mit der Immunabwehr verwendet).

IBR

Infektiöse Bovine Rhinotracheitis, rezidivierende Bronchopneumonie, Fieber, Milchrückgang, Todesfälle, Kümmern, Aborte im 7.-8. Monat

Immunität

Künstlich (Impfstoff) oder natürlich (Infektion) erworbener Schutz eines Organismus gegen Krankheitserreger, der durch das Vorhandensein spezifischer Antikörper und spezifischen T-Lymphozyten gekennzeichnet ist. Daneben verfügt der Organismus über den unspezifischen, angeborenen Abwehrmechanismus (Resistenz).

Impfstoff/Vakzine

Aufbereitung aus lebenden oder abgetöteten Krankheitserregern oder aus inaktivierten Toxinen bzw. Toxoiden von Erregern.

inaktiviert

Unwirksam, neutral, abgetötet

Inaktivierung

Vorgang, bei dem durch physikalische, physikochemische  und chemische Faktoren der Verlust der Vermehrungsfähigkeit und anderer biologischer Aktivitäten eines Erregers erreicht wird.

Inappetenz

Appetitlosigkeit

Infektion

Eindringen, Haften und Vermehren eines infektiösen Agens in einen Wirtsorganismus unter Auslösung einer Reaktion

Infektiös

Ansteckend. Eigenschaft pathogener Erreger, sich auf einem potentiellen Wirt anzusiedeln oder in ihn einzudringen.

Inkubationszeit

Zeitspanne zwischen der Ansteckung (Infektion) des Wirts mit dem Erreger und dem Auftreten der ersten klinischen Krankheitserscheinungen. Bei den verschiedenen Infektionskrankheiten unterschiedlich lang (zwischen wenigen Stunden bis mehrere Wochen, in Ausnahmefällen Monate bis Jahre), abhängig vom Wirt und seiner Disposition, der spezifischen und unspezifischen Abwehr, Art und Virulenz des Erregers und der Befallsstärke.

Intrauterin

Innerhalb des Uterus (Gebärmutter) bzw. in den Uterus hinein

IPB

Infektiöse Pustuläre Balanopostitis

Deckunlust, Deckunfähigkeit

IPV

Infektiöse Pustuläre Vulvovaginitis

Umrindern, Endometritis, verlängerte Güstzeiten, Follikulitis der Vaginalschleimhaut (Reibeisenvagina)

Kapsid

Einfachste Strukturform eines Virus. Ein Kapsid ist ein aus einzelnen Bausteinen (Kapsomeren) aufgebauter geometrischer Körper unterschiedlicher Symmetrie, der das Virusgenom und assoziierte Proteine aufnimmt.

Kapsomer

Morphologische Einheit eines Virus.

Keratokonjunktivitis

Horn- und Bindehautentzündung

Konjunktivitis

Bindehautentzündung
Entzündung der Konjunktiva durch endogene oder exogene Ursachen. Man unterscheidet zwischen einer primären, sekundären und symptomatischen Konjunktivitis oder nach der Absonderung der Bindehaut (serös, katarrhalisch, fibrinös, pseudomembranös, diphtheroid oder follikulär).

Lebendimpfstoff

Impfstoff aus virulenz- u. pathogenitätsabgeschwächten, jedoch vermehrungsfähigen Keimen, die eine echte Infektion hervorrufen u. dadurch aktiv immunisieren.

Letalität

Sterblichkeit

Leukozyten

Sammelbegriff für die weißen Blut- und Lymphzellen, die den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gegenübergestellt werden. Ihre relative Anzahl weist artspezifische Unterschiede auf. Außerdem ist die Zahl der Leukozyten bei Jungtieren höher. Die Anzahl weißer Blutkörperchen nimmt mit fortschreitendem Alter ab. Man unterscheidet bei den Leukozyten zwischen den Lymphozyten, den Monozyten und den Granulozyten.

Markervakzine

Ein Markerimpfstoff ermöglicht durch spezielle Markierungen die Unterscheidung zwischen Infektions- und Impftiter bei der serologischen Untersuchung. Man unterscheidet zwischen Deletions-/Negativ- oder Positivmarker.

maternal

Mütterlich, vom Muttertier stammend

Mastitis

Entzündung der Milchdrüse

Meningoenzephalitis

Auf das Gehirn übergreifende Entzündung der Gehirnhäute.

Morbidität

Erkrankungsziffer, Erkrankungshäufigkeit
Anzahl an Individuen einer Ausgangspopulation bestimmter Größe, die innerhalb einer bestimmten Periode von einer bestimmten Erkrankung betroffen ist.

Morphologie

Wissenschaft von Bau und von der Gestalt der Tiere und ihrer Organe.

Mykoplasmen

Unbewegliche kokkoide Bakterien, die zur Familie der Mykoplasmataceae gehören, keine feste Zellwand besitzen und pathogen für Mensch und Tier sind.

Neutralisationstest

In-vitro-Test zum Nachweis neutralisierender Antikörper. Meist handelt es sich um einen Serumneutralisationstest, bei dem im Serum enthaltene neutralisierende Antikörper die Infektiosität von z.B. Viren hemmen. Die Neutralisation der Infektiosität wird durch Ausbleiben des zytopathologischen Effekts oder aufgrund der fehlenden Immunfluoreszenz einer Zellkultur bestimmt.

Notimpfung

Impfung bei schon vorhandenen klinischen Befunden.

Nukleokapsid, Kapsid

Komplex aus Kapsomeren, Virus-Genom und bestimmter Proteine. Die Symmetrie kann helikal oder ikosaedrisch sein.

Ovar

Weibliche Keimdrüse

Passage

Weiterkultivierung eines belebten Pathogens auf einem neuen Nährboden, einer Zellkultur, einem embryonierten Hühnerei oder einem Versuchstier zur weiteren Erhaltung oder zur Stabilisierung, bei Attenuierung auch Abschwächung krankmachender Eigenschaften.

Pathogenität

Fähigkeit äußerer oder innerer Einflüsse, eine Krankheit zu verursachen oder Krankheitsprozesse auszulösen. Gesamtheit der krankmachenden Potenzen eines Erregers. Sie stellt für eine Erregerart ein qualitatives Merkmal dar.

Perinatal

Zeitlich um die Geburt herum

Persistierend

Feststehend, fortdauernd, verharrend, unverändert bleibend, stehen bleibend.

Plazenta

Selektive permeable Barriere zwischen fetalem und maternalem Kreislauf, Stoffaustauschorganen sowie zwischen Mutter und Frucht. Die Plazenta verhindert in Abhängigkeit von der Art der Plazentation den Übertritt von Makromolekülen. Die Plazenta setzt sich aus einem fetalen Anteil mit Zotten (Chorionzotten) und dem maternalen Endometrium zusammen.

Postpartal

Nach der Geburt

Prävalenz

Grundanteil, mit dem eine bestimmte Krankheit (oder ein bestimmtes Merkmal) in einer bestimmten Bevölkerung (Population) vorkommt.

Replikationszyklus

Identische Verdopplung von genetischem Material (RNA oder DNA).
Ermöglicht die identische Weitergabe der genetischen Information von Generation zu Generation. Enzymatischer Prozess, der bei doppelsträngiger DNA in 3 Stufen abläuft: Strangtrennung und Entspiralisierung, Verdoppelung durch gerichtete Verknüpfung der Nukleotide und Wiederherstellung der Doppelstrang-Struktur.

Sekundärerkrankung

Zweitinfektion
Zusätzliche Ansteckung eines bereits infizierten Organismus mit einem anderen Erreger. Dabei siedeln sich die Sekundärerreger an die Organe und Gewebe an, die bereits durch die Primäinfektion vorgeschädigt sind.

Selektionskonzept

Ziel des Selektionskonzeptes bei der BHV1- Sanierung ist es, freie Tiere, Bestände und Regionen zu schaffen. Dies erfolgt durch serologische Untersuchung auf Antikörper in Einzelblutproben und Poolmilch und Abschaffung positiver Tiere.

Sensitivität

Mass für die Fähigkeit eines Testes infizierte Tiere zu identifizieren. Bsp: Sensitivität von 97% bedeutet, dass 3 % der Testergebnisse falsch negativ sind, d.h. die Tiere als nicht infiziert diagnostiziert werden obwohl sie de facto infiziert sind.

Serokonversion

Mindestens 4-facher Anstieg des Antikörpertiters gegenüber dem Ausgangswert.

Seroprävalenz

  s. Prävalenz

Spezifität

Mass für die Fähigkeit eines Testes nicht infizierte Tiere zu identifizieren. Bsp: Spezifität von 97% bedeutet, dass 3 % der Testergebnisse falsch positiv sind, d.h. die Tiere als  infiziert diagnostiziert werden obwohl sie de facto nicht infiziert sind.

Subunit-Vakzine

Bei Subunit-Vakzinen werden nur Teilstücke von Erregern verwendet. Lebendvakzinen gibt es deshalb natürlich nicht. Der Nachweis von Feldvirusinfektionen ist auch nach einer Impfung möglich.

Superinfektion

Reinfektion

Bei noch bestehendem Primärinfekt und unvollständiger Immunität neuerliche Infektion mit dem gleichen Erreger.

Totimpfstoff/Totvakzine

Impfstoff, der aus abgetöteten Krankheitserregern besteht.

Tröpfcheninfektion

Infektion, bei der der Erreger über kleinste Tröpfchen, meist Körperflüssigkeiten, auf den Wirt übertragen wurde.

Uterus

Gebärmutter; Implantations- und Entwicklungsort der befruchteten Eizelle. Die Haussäugetiere besitzen einen Uterus bicornis, der das Cavum uteri umgibt.

Vakzination

Schutzimpfung, Erzeugung einer Immunität

Vakzine

Impfstoff

Vektor

Belebter oder unbelebter Krankheitsüberträger

Virämie

Vorkommen von Viren im Blut (Virusseptikämie). Stadium in der Pathogenese generalisierter Virusinfektionen. Nach einer lokalen Virusvermehrung in primäraffinen Organen und regionalen Lymphknoten verbreitet sich das Virus unter anderem hämatogen (primäre Virämie) in Parenchyme und andere Prädilektionsstellen. Auf die dortige Organmanifestation folgt häufig eine sekundäre Virämie. Das Virus wird dabei entweder frei im Plasma transportiert oder ist mit Blutzellen assoziiert. (zellassoziierte Virämie)

Viruslatenz

Zustand im Verlauf einer Virusinfektion, bei dem kein infektiöses Virus im Wirtsorganismus nachgewiesen werden kann. Jedoch befindet sich das Virusgenom über einen längeren Zeitraum entweder in dem Wirtszellgenom oder es lagert extrachromosomal in der Wirtszelle. Die Reaktivierung durch Stressoren setzt erneut infektiöses Virus frei.

Zilien

Histologisch: Mit Transportaufgaben betraute Kinozilie bestimmter Schleimhautepithelien.