Mucosal Disease/chronische Verlaufsform



Sowohl an der akut verlaufenden Mucosal Disease als auch an der unter Feldbedingungen zu beobachtenden chronischen Verlaufsform erkranken ausschließlich die Träger des nicht zytopathogenen Virusbiotyps nach intrauteriner Infektion. Eine Häufung der Erkrankungsfälle ereignet sich vor dem Erreichen des Zuchtalters, meist bis zu einem Jahr. In Einzelfällen erkranken PI-Tiere jedoch erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt oder bleiben unauffällig bis zum Verlassen des Bestandes aus anderen Gründen. Wird ein PI-Tier belegt, so entsteht wiederum immer ein persistent infiziertes Kalb (persistent infizierte Zuchtlinie). 

Zunächst war der Entstehungsmechanismus für das Krankheitsbild der Mucosal Disease/chronische Verlaufsform nicht bekannt und es stellte sich insbesondere die Frage nach den Ursachen für den plötzlich unvorhersehbaren Krankheitsausbruch. Bei der Erforschung der Krankheitsumstände wurde herausgefunden, dass bei einem an Mucosal Disease (MD) verendeten Tier immer zytopathogenes Virus isolierbar ist. Da unter Feldbedingungen Impfmaßnahmen mit Impfstoffen, die attenuiertes zytopathogenes Antigenen enthielten, bei PI-Tieren MD auslösten, postulierte man die Theorie einer möglichen Superinfektion durch zytopathogenes Virus als Ursache. Inzwischen wird diese Theorie mehr als zusätzliche mögliche Variante in den Hintergrund gedrängt, da im Feld selten zytopathogenes und nicht zytopathogenes Virus nebeneinander vorkommen. Weiterhin zeigten Untersuchungen bei unter Isolationsbedingungen gehalten PI-Tieren, dass sie plötzlich an MD erkrankten. 

Inzwischen ist bekannt, dass durch Mutation und hydrolytische Spaltung aus nicht zytopathogenem Virus zytopathogenes Virus im PI-Tier entstehen kann und zu diesem Zeitpunkt Mucosal Disease ausbricht. Dabei ist entscheidend, dass das superinfizierende Virus vom homologen zytopathogenen Virusbiotyp ist, da in diesem Fall die akute Mucosal Disease nach etwa 2-3wöchiger Inkubation auftritt. Ein partiell homologer zytopathogener Biotyp, der antigenetische Unterschiede zum nicht zytopathogenen Virusbiotyp hat, führt nach ca. 98-138 Tage Inkubation zu mehr chronischen Verlaufsformen. Besteht zwischen dem erstinfizierenden Virus und dem superinfizierenden Virus ein erheblicher antigenetischer Unterschied (heterologer zytopathogener Biotyp), kommt es beim PI-Tier sogar zu einer vorübergehenden Serokonversion und Schutz gegen den superinfizierenden Biotyp. Die klinischen Anzeichen der akuten Mucosal Disease sind pathognostisch und zeichnen sich durch erosive Schleimhautveränderungen am gesamten Verdauungstrakt einschließlich Flotzmaul sowie entzündlichen Veränderungen im Zwischenklauenspalt, hochgradig wässrigen Durchfall, zum Teil auch mit respiratorischen Symptomen aus. Die mehr chronische Verlaufsform führt bei den PI-Tieren zu wechselnder Kotkonsistenz, zunehmender Abmagerung und Schwäche sowie Siechtum. Während das Tier mit Mucosal Disease innerhalb weniger Tage verendet, tritt bei den chronischen Verlaufsformen der Tod mitunter erst nach Wochen ein. In jedem Fall jedoch steht am Ende der Erkrankung der letale Ausgang. 

Im infizierten Bestand kann beim Vorhandensein mehrerer PI-Tiere gehäuft das Schadensereignis Mucosal Disease auftreten, wenn bei einem PI-Tier die Mutation von nicht zytopathogenem Virus zu zytopathogenem Virus vollzogen wird und durch die Ausscheidung weitere PI-Tiere hiermit superinfiziert werden.