Postnatale Infektion



  • bovine Virusdiarrhoe
    Durch die besondere Affinität zu den Zellen des Verdauungstraktes entwickelt sich ein wässriger Durchfall mit Fieber, der in schweren Fällen zu starken Flüssigkeits- und Elektrolytverlust führt. Die Tiere magern ab und zeigen einen zunehmenden Kräfteverfall. Bei guter Immunitätslage kommt es zu weniger heftigen Krankheitserscheinungen und Spontanheilung. Allerdings sind bei schlechten Haltungs- und Fütterungsbedingungen auch Todesfälle möglich. Die Ausheilung verläuft mit deutlicher Antikörperbildung (Serokonversion).

  • subklinische Verlaufsform
    Eine klinisch unauffällige Durchseuchung ist die häufigste Verbreitungsform des Erregers in der Rinderpopulation. Die seltenen und meist nur mild ausgeprägten Krankheitsanzeichen werden in der Regel vom Landwirt übersehen oder können nicht zuordnet werden. Kühe reagieren mit Milchrückgang oder Erhöhung der Zellzahl in der Milch. Weiterhin kann eine vorübergehende Erhöhung der Körperinnentemperatur festgestellt werden. Behandlungsmaßnahmen sind meist nicht erforderlich und häufig wird nur durch Zufall im Rahmen von Blutuntersuchungen festgestellt, dass sich diese Tiere mit einer BVDV-Infektion auseinandergesetzt haben. 

  • respiratorische Form
    Auf Grund der oben beschriebenen Immunsuppression kommt es insbesondere bei Kälbern ab der 6. Lebenswoche unter Verlust ihrer maternal erworbenen Immunität zu viralen Misch- und bakteriellen Sekundärinfektionen, die vorwiegend mit respiratorischer Krankheitssymptomatik verlaufen. Die Tiere zeigen Husten, Nasenausfluss, beschleunigte Atmung und zunächst auch Fieber. Insgesamt ist der Krankheitsverlauf eher chronisch und die Krankheitsdauer beträgt daher häufig Wochen bis Monate. Die Kälber magern ab, haben struppiges Haarkleid und zeigen allgemeine Schwäche. Nach Behandlungsmaßnahmen kommt es gehäuft zu Rezidiven. Im chronischen Stadium verenden mitunter einzelne Kälber nach akuter Atemnot mit Maulatmung. In der Anfangsphase der Erkrankung läuft die Virusvermehrung auf den Schleimhäuten der Nase  und des Maules. Kleine erosive Schleimhautdefekte sind an den Nasenöffnungen erkennbar. Ansonsten lassen die klinischen Krankheitserscheinungen nur den Verdacht einer vorliegenden BVDV-Infektion zu. 

  • hämorrhagische Verlaufsform
    Seit 1994 ist die so genannte hämorrhagische  Verlaufsform bekannt, die mit dem Leitsymptom einer ausgeprägten hämorragischen Diathese und perakutem Verenden einhergeht. Im Rahmen des Infektionsgeschehens mit BVDV kommt es zu einer starken Schädigung und Verminderung der Thrombozyten, so dass Blutungen über die Schleimhäute und inneren Organe die Folge sind. Insbesondere BVDV Stämme vom Genotyp 2 können dieses Krankheitsbild auslösen. Allerdings werden vereinzelt auch hämorrhagische Diathesen bei Infektionen mit Genotyp 1 beobachtet.  Auf Grund des dramatischen und perakuten Krankheitsverlaufs sowie der erheblichen Virulenz des Virus sind Behandlungen dieser Tiere aussichtslos. In der Bundesrepublik Deutschland wurden in einzelnen Rinderbetrieben hämorrhagische Verlaufsformen beobachtet und in diesem Zusammenhang auch nicht zytopathogene Genotyp 2 BVDV-Stämme isoliert.