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Staupe (Canine distemper, Carrésche Krankheit)

Die Staupe (canine distemper) war vor Einführung der Impfung (um 1960) die verlustreichste Virusinfektion des Hundes (Horzinek und Truyen 2006, König, Moritz und Thiel 2007). Bei ungenügendem Impfschutz oder mangelhaftem Immunisierungsgrad der Population kann es zu Epidemien mit hoher Mortalität kommen. Das zeigt die Staupe-Epidemie in Finnland 1994 -1995. Ihr fielen Hunderte Tiere zum Opfer und sie konnte erst gestoppt werden, als etwa 70% der Welpen in dem betroffen Areal geimpft worden waren (Horzinek und Truyen 2006).

Bei der Staupe handelt es sich um eine durch ein Paramyxovirus (RNA-Virus) hervorgerufene, hoch ansteckende Infektionskrankheit bei Hunden und anderen terrestrischen Carnivoren wie Fuchs, Wolf, Dingo, Kojote, Schakal, Frettchen, Nerz, Wiesel, Waschbär und Seehund. Hauskatzen lassen sich zwar mit dem Virus infizieren, zeigen jedoch keine Symptome. Während ein Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose des Menschen wurde inzwischen ausgeschlossen, steht diese Abklärung mit Morbus Paget noch aus (König, Moritz und Thiel 2007).

Infizieren können sich Tiere jeden Alters oral oder aerogen über Sekrete und Exkrete infizierter Hunde (Tröpfcheninfektion), jedoch sind vorwiegend junge Hunde zwischen drei und sechs Monaten, ungeimpfte oder immunsupprimierte Tiere betroffen. Die indirekte Erregerübertragung durch Hände, Kleidung, Schuhe, Futternäpfe usw. ist von geringerer Bedeutung. Eine intrauterine Infektion der Welpen ist ebenfalls möglich.

Außer bei intrauterin infizierten Welpen, die mit dem Rückgang der maternalen Antikörper erkranken, beträgt die Inkubationszeit zwischen 3-7 Tagen. Anschließend kommt es je nach Virulenz des Erregers und der Immunantwort dann zu einem akuten, subakuten oder chronischen Verlauf. Je nach den dominierenden Symptomen spricht man von katharrhalischer, gastrointestinaler, kutaner oder nervöser Staupe. Eine Sonderform stellt die selten auftretende Hartballenkrankheit (hard pad disease) dar. Diese ist durch eine übermäßige Verhornung der Haut der Ballen und des Nasenspiegels gekennzeichnet (König, Moritz und Thiel 2007). Die Prognose ist hier ebenso wie bei der nervösen Staupe ungünstig. Allerdings müssen auch die anderen Formen als zweifelhaft beurteilt werden, da keine spezifische Behandlung möglich ist.

Nach einer ersten Virämie, die durch einen Anstieg der Körpertemperatur für 1-2 Tage auf 40° C sowie Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, serösen Augen- und Nasenausfluss gekennzeichnet ist, kommt es nach dem Absinken der Körpertemperatur in den Normalbereich zur Organmanifestation. Der weitere Verlauf der Erkrankung, die Organbesiedlung und eventuelle Sekundärinfektionen hängen in erster Linie vom Immunstatus des Tieres ab (Suter und Hartmann 2006). Baut sich eine gute humorale und zelluläre Immunantwort auf, wird das Virus nach etwa 14 Tagen eliminiert, ohne klinische Symptome hervorgerufen zu haben (subklinischer Verlauf). Nur in seltenen Fällen entwickeln sich aus solch einer stummen Infektion später neurologische Symptome oder die so genannte „Hartballenkrankheit“ (Suter und Hartmann 2006). Das Virus vermag außerdem im Nervengewebe, Haut und Augen zu fortzubestehen und vermutlich noch Jahre später Symptome hervorzurufen.

Die Symptome variieren je nach dem, welche Organe betroffen sind und nach Vorkommen und Art der bakteriellen Sekundärerreger. Diese werden ebenso wie andere Erkrankungen durch die durch das Staupevirus bedingte Immunsuppression (Immundefizit) begünstigt.

Bei schlechtem Immunstatus entwickelt der Hund respiratorische (eitriger Augen- und Nasenausfluss, Husten, Niesen, Bronchitis, Bronchopneumonie und Durchfall) oder intestinale Störungen (Durchfall, Erbrechen, Dehydratation) unterschiedlicher Ausprägung. Häufig folgen darauf ZNS-Störungen (nervöse Staupe) mit tonisch-klonische Krämpfen, Bewusstseinstörungen, gesteigerte Aggressivität und rhythmische Muskelkrämpfe sowie Paresen und Nervenlähmungen.
Bei der Hautform treten infolge Sekundärinfektionen an den Innenflächen der Schenkel und auf der Ohrinnenfläche Bläschen und Pusteln zusammen mit einer starken Hautrötung auf. Infizieren sich juvenile Tiere während des Zahnens, kommt es zu Zahnschmelzdefekten („Staupegebiss“).

Am schwersten und oft tödlich verläuft die Staupe bei ungeimpften bzw. ungenügend geimpften und/oder gestressten Junghunden (Suter und Hartmann 2006). In den letzten Jahren sind auch in Deutschland wieder vermehrt Staupefälle aufgetreten. Als Ursachen werden eine gewisse Impfmüdigkeit der Besitzer als auch ein zunehmender Import von Hunden ohne ausreichenden Impfschutz vermutet (Suter und Hartmann 2006).

Die Tiere werden am besten durch eine Impfung geschützt. Diese sollte am besten in der achten Lebenswoche mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose, gegebenenfalls Parainfluenza und Leptospirose erfolgen. In der zwölften Lebenswoche sollte diese Kombination dann wiederholt und noch durch die Tollwutimpfung ergänzt werden. Laut Empfehlungen der Ständigen Impfkommission umfasst die Grundimmunisierung weitere Impfungen in der 15./16. Lebenswoche und dann noch mal ein Jahr später. Anschließend wird die Impfung gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose alle drei Jahre aufgefrischt, die anderen Komponenten müssen halbjährlich bzw. jährlich aufgefrischt werden. Das Impfintervall gegen die Tollwut hängt vom verwendeten Impfstoff ab. Nur die Firma Intervet bietet dafür Impfstoffe mit den entsprechenden Zulassungen an.

In besonders gefährdeten Beständen sollte die Grundimmunisierung des Welpen gegen Staupe und Parvovirose bereits mit vier Wochen beginnen. Dazu steht von der Firma Intervet ein Kombinations-Lebendimpfstoff gegen Staupe und Parvovirose zur Verfügung.

Merke:

Die Staupe (canine distemper) ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung der Fleischfresser. Vor Einführung der Impfung um 1960 war Staupe die verlustreichste Virusinfektion des Hundes. Bei ungenügendem Impfschutz oder mangelhaftem Immunisierungsgrad der Population kann es auch heute noch zu Epidemien mit hoher Todesfolge kommen, wie die Staupe-Epidemie in Finnland 1994 –1995 verdeutlicht. Ihr fielen Hunderte Tiere zum Opfer und sie konnte erst gestoppt werden, als etwa 70% der Welpen in dem betroffen Areal geimpft worden waren.

Hunde jeden Alters können erkranken, jedoch sind vor allem junge Hunde zwischen drei und sechs Monaten, ungeimpfte oder immunsupprimierte Tiere betroffen. Die Impfung gegen Staupe gehört daher zu den so genannten Pflichtimpfungen (Core-Impfungen), die jeder Hund erhalten sollte.