Bessere Rahmenbedingungen für die Antibiotikaentwicklung gefordert

Immer häufiger treten auch in Deutschland Infektionen mit multiresistenten Erregern auf. Neben einem gewissenhafteren und sparsameren Einsatz von Antibiotika, sorgfältiger Hygiene und der Ausschöpfung von Impfmöglichkeiten muss auch dringend nach neuen antibiotischen Wirkstoffen sowie neuen Bekämpfungsmöglichkeiten von Bakterien geforscht werden. Anlässlich des Thementages Antibiotika am 26. November 2019 im ZDF teilte die das Dilemma der forschenden Pharma-Unternehmen mit: Solche Medikamente können unter den bestehenden Marktgegebenheiten ihre Entwicklungskosten nur selten wieder einspielen, da sie zwangsläufig als Reserveantibiotika eingestuft und nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kämen. Dieses Dilemma ließe sich jedoch überwinden, wenn die ökonomischen Handicaps für diese Mittel durch bessere Rahmenbedingungen ein Stück weit ausgeglichen würden. „Länderübergreifend könnte die klinische Erprobung von Antibiotika gefördert werden; und es sollte für die erfolgreiche Entwicklung solcher Antibiotika eine Prämie geben, die wenigstens einen Teil der Entwicklungskosten refinanziert“, schlägt Han Steutel, Präsident des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) vor. Zudem sollte einem Antibiotikum die Fähigkeit, eine Resistenz zu überwinden, in der frühen Nutzenbewertung als Zusatznutzen angerechnet und in den anschließenden Preisverhandlungen berücksichtigt werden.“Neben neuen Antibiotika werden derzeit auch andere Mittel gegen Bakterien entwickelt, darunter Mittel, die schädliche Bakterien „entwaffnen“, ohne sie zu töten. Auch Bakterien-befallende Viren, sogenannte Bakteriophagen, werden erprobt und dürfen bereits im Einzelfall angewendet werden.
vfa