Hunde im Alter

• Lebenswartung
• Typische Alterserscheinungen
• Wie Du den Alltag deines Seniorhundes verbessern kannst

Ab wann ist mein Hund eigentlich alt? Während Menschen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit überschreiten des 65. Lebensjahres als alt gelten, setzt das Seniorenalter bei Vierbeinern – abhängig von Größe und Rasse – zwischen dem 7. und 11. Lebensjahr ein. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Hunden in Deutschland liegt bei 10 bis 15 Jahren, und damit weit unter der von uns Menschen. 

Altern Hunde, treten Alterserscheinungen auf. Dabei lassen beim Senior-Hund nicht nur die körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit nach, sondern es stellen sich oft auch altersbedingte Erkrankungen ein. Mit einer gesunden, altersgerechten Ernährung und verschiedenen vorbeugenden Maßnahmen lassen sich viele dieser typischen Alterserscheinungen hinauszögern. Wichtig ist auch, Symptome klassischer Altersbeschwerden bei Hunden rechtzeitig zu erkennen. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht in vielen Fällen eine erfolgreiche Therapie, mit der sich die Lebensqualität von alten Hunden lange erhalten lässt. Deshalb brauchen Hunde im Alter regelmäßige Check-ups in der Tierarztpraxis.

Inhaltsverzeichnis

• Ab wann ist ein Hund alt?
• Was erwartet Dich, wenn Dein Hund alt wird?
• Typische Alterserscheinungen bei Hunden
• Physische Erkrankungen bei Hunden im Alter
• Psychische Auffälligkeiten und Erkrankungen bei alten Hunden
• Präventive Maßnahmen zur Vorbeugung von Gesundheitsproblemen bei älteren Hunden

• Wie trägt Ernährung zur Gesundheitsvorsorge für alte Hunde bei?
• Linderung  für Hundekrankheiten im Alter

• Wie lässt sich die Lebensqualität eines alternden Hundes verbessern?

• Wie Du Altersbeschwerden von Krankheiten unterscheidest und die Lebensqualität erhöhst

Ab wann ist ein Hund alt?

Es ist längst wissenschaftlicher Konsens, dass sich die lange gültige Faustformel zur Berechnung des Hundealters – Alter x 7 – nicht eignet. Schließlich entwickeln sich die verschiedenen Rassen in unterschiedlichem Tempo, bringen individuelle genetische Voraussetzungen mit und leben in verschiedenen Umfeldern. Deshalb unterscheidet sich die Lebenserwartung großer Hunde erheblich von der kleinerer Vierbeiner. Also ab wann ist ein Hund alt? Die Lebenserwartung von Hunden berechnet man aktuell nach einer Formel, die einen Logarithmus enthält. 

Wir haben die Lebenserwartung von Hunden in einer Tabelle aufbereitet. Hier findest Du für kleine, mittelgroße, große und auch ganz große Rassen das nach dieser Formel in Menschenjahre umgerechnete Alter. So erreicht ein kleiner Vierbeiner erst nach 11 Menschenjahren ein Alter von 60, ein großer Hund wird bereits nach knapp 9 Jahren vergleichbar alt. Die Übersicht macht außerdem deutlich, dass der Alterungsprozess bei großen Rassen anschließend sehr viel schneller voranschreitet: Während kleinere Rassen nach 15 Jahren in Hundejahren „erst“ 76 sind, kommt ein großer Hund zu dieser Zeit bereits auf stolze 93.

Hier einige Beispiele, welche der in Deutschland weit verbreiteten Hunderassen entsprechend Größe und Gewicht zu den kleinen, mittelgroßen und großen Rassen zählen:

Kleine Hunde: Bichon Frisé, Bolonka, Cavalier King Charles Spaniel, Chihuahua, Dackel, Französische Bulldogge, Havaneser, Jack Russell Terrier, Malteser, Mops und Yorkshire Terrier.
Mittelgroße Hunde: Australian Shepherd, Beagle, Border Collie, Boxer, Englische Bulldogge, Cocker Spaniel, Golden Retriever, Husky, Labradoodle, Labrador Retriever und Shiba Inu.
Große Hunde: Akita Inu, Berner Sennenhund, Bernhardiner, Bobtail, Colli

Altersschwäche setzt beim Hund ähnlich wie beim Menschen nach und nach mit Erreichen des Seniorenalters ein. Dabei leiden Vierbeiner oft unter ähnlichen Beschwerden wie Menschen. Die moderne Veterinärmedizin bietet vielfältige Möglichkeiten, die typischen Hundekrankheiten im Alter zu behandeln und zu lindern. Und auch Du kannst dazu beitragen, dass Dein Vierbeiner gesund alt wird – unter anderem mit einer gesunden Lebensweise und ausgewogener, altersgerechter Ernährung vom Welpenalter an.

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Was erwartet Dich, wenn Dein Hund alt wird?

Hast Du Deinen Hund jeden Tag um Dich, wirst Du es sicher nicht sofort bemerken, dass Dein Vierbeiner so langsam altert. Doch irgendwann stellst Du fest, dass sich Dein treuer Begleiter verändert. Neben grauen Haaren im Gesicht und weniger Eifer beim Spielen zeigen sich nach und nach auch erste körperliche Anzeichen von Altersschwäche bei Deinem Hund. 

So begleiten den Alterungsprozess häufig unter anderem nachlassendes Seh- und Hörvermögen, Probleme mit Gelenken und Muskulatur oder sogar Inkontinenz. Oft fallen bei Hunden auch Wesensveränderungen im Alter auf. Einige scheinen einen Altersstarrsinn zu entwickeln, andere reagieren schnell gereizt auf Ungewohntes oder können sich schlecht auf neue Situationen einstellen.

Die meisten Alterserscheinungen sind bei Hunden kein Grund zur Beunruhigung, gehören sie doch zu einem natürlichen Prozess. Dennoch solltest Du auf Deinen alten Hund stärker achten, um Altersschwäche von Symptomen ernsthafter Erkrankungen zu unterscheiden. Stellst Du Deinen Hunde-Senioren regelmäßig zum Check-up in der Tierarztpraxis vor, lassen sich mögliche Krankheiten rechtzeitig diagnostizieren – und meist auch gut therapieren.

Erste Anzeichen des Alterns:

  • Graue Haare im Gesicht
  • Gewichtsabnahme oder -zunahme
  • Erhöhtes Schlaf- und Ruhebedürfnis
  • Erschwerte Anpassungsfähigkeit
  • Inkontinenz: Der Hund muss häufiger raus oder kann den Harnabsatz nicht mehr kontrollieren
  • Nachlassendes Hör- und Sehvermögen
  • Verminderter Bewegungsdrang
  • Auffällige Verhaltensänderungen:
  • Der Hund reagiert z.B. schneller aggressiv, zeigt weniger Freude bei Begrüßung und Spiel
  • Verdauungsprobleme
  • Gelenkbeschwerden: Probleme beim Aufstehen und Gehen, steiferer Gang

Häufige Krankheiten im Alter:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Demenz
  • Schmerzen
  • Erblindung
  • Schlaganfall
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Nierenkrankheit
  • Arthrose
  • Krebs
  • Diabetes
  • Vestibularsyndrom

Typische Alterserscheinungen bei Hunden

Wie bei uns Menschen gibt es einige Alterserscheinungen bei Hunden, die sich weder aufhalten noch behandeln lassen. Dazu gehören insbesondere:
• graue Haare, insbesondere im Gesicht
• träger werdende Bewegungen
• nachlassende Ausdauer/Kondition
• Gewichtsveränderungen
• Verschlechterung von Seh- und Hörvermögen
• Veränderung bei Schlafgewohnheiten und -rhythmus
• vermindertes Hunger- und Durstgefühl

All das sind Veränderungen, die ein verlangsamter Stoffwechsel und andere im Organismus ablaufende Prozesse während des Alterns mit sich bringen. Frisst Dein alter Hund nicht mehr richtig oder trinkt Dein Senioren-Hund plötzlich sehr viel, solltest Du tiermedizinisch abklären lassen, ob vielleicht eine Erkrankung dahintersteckt. Auf alle anderen Alterserscheinungen bei Deinem Hund solltest Du geduldig Rücksicht nehmen und Deinen Vierbeiner nicht überfordern.

Physische Erkrankungen bei Hunden im Alter

Es gibt einige Hundekrankheiten, die im Alter häufiger auftreten. Alte Hunde erkranken unter anderem deshalb öfter, weil das Immunsystem schwächer wird und sich zudem Stoffwechselprozesse verlangsamen. Neben Hör- und Sehschwäche, die sich in der Regel kaum wirksam behandeln lassen, gehören zu den typischen Alterskrankheiten bei Vierbeinern vor allem Erkrankungen des Bewegungsapparates, des Herz-Kreislauf-Systems und der inneren Organe. Unter anderem treten diese Krankheiten bei alten Hunden auf: 

  • Arthrose: Ein fortschreitender Abbau des Gelenkknorpels führt zu Gelenkverschleiß sowie Entzündungen. Typisch ist eine Steifheit nach Ruhephasen, während das Gangbild später wieder normal erscheinen kann. Arthrose kann alle Gelenke von Gliedmaßen bis Wirbelsäule betreffen. Heilbar ist die Erkrankung nicht, allerdings lässt sich das Fortschreiten verlangsamen – meist durch eine Kombination aus spezieller Ernährung, gezielter Bewegung (Physiotherapie) und schmerzlindernden Medikamenten. 
  • Hüftdysplasie: Viele Hunde mittelgroßer und großer Rassen kommen bereits mit der Veranlagung für Hüftdysplasie auf die Welt. Diese angeborene Fehlstellung führt meist jedoch erst im Alter zu erkennbaren Symptomen wie Lahmen, Steifheit oder Schwierigkeiten beim Aufstehen und Hinlegen. Es gibt unterschiedliche Therapieansätze, die jedoch nicht zur Heilung führen. Vielmehr zielt die individuell angepasste Behandlung darauf ab, ein Voranschreiten hinauszuzögern und Schmerzen oder Entzündungen zu lindern.
  • Katarakte: Lichtempfindlichkeit und getrübte Augenlinsen können bei Deinem alten Hund auf Grauen Star (Katarakt) hindeuten. Diese Augenerkrankung schränkt das Sehvermögen zunehmend ein und kann im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Ob eine Operation – als einzige Behandlungsmöglichkeit für Katarakte – möglich und sinnvoll ist, zeigt sich nach tierärztlichen Untersuchungen.
Eine Augentrübung kann aber auch auf einen Diabetes mellitus (diabetischer Katarakt) hindeuten und sollte immer untersucht werden. 
  • Diabetes mellitus: Diabetes mellitus kann bei Hunden im Alter auftreten und zeigt sich oft durch starken Durst, vermehrtes Urinieren, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und eine allgemeine Schwäche. Diese Stoffwechselstörungen lassen sich meistens gut behandeln. Therapie der Wahl ist in der Regel eine Kombination aus Medikamenten (Insulin), spezieller Ernährung und Bewegung.
  • Herzkrankheiten: Atemnot, Erhöhung der Atemfrequenz, Husten, Müdigkeit und Wasseransammlungen im Körper können bei älteren Vierbeinern auf Herzinsuffizienz oder andere Erkrankungen von Herzklappen oder -muskel hinweisen. Falls nötig, werden Herzerkrankungen bei alten Hunden mit Medikamenten behandelt.
  • Niereninsuffizienz: Regelmäßige Futterverweigerung deutet bei Hunden im Alter fast immer auf gesundheitliche Probleme hin. Kommen Apathie, Müdigkeit, auffallend häufiger Harndrang, entzündete Mundschleimhäute sowie Durchfall und Erbrechen hinzu, könnte Dein Vierbeiner an einer Nierenerkrankung leiden. 

Die chronische Niereninsuffizienz geht mit einem langsam fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion einher. Im Anfangsstadium sind oft noch keine Symptome erkennbar. Im weiteren Verlauf kann es durch vermehrte Ansammlung von „Abfallprodukten“, die nicht mehr ausreichend von den beeinträchtigten Nieren gefiltert werden können zu Symptomen kommen, wie Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, verminderter Appetit oder vermehrtes Trinken, sowie vermehrter Harndrang und letztendlich Gewichtsverlust. Nur durch regelmäßige Check Ups beim Tierarzt, kann eine chronische Niereninsuffizienz rechtzeitig erkannt werden. Spezielle Behandlungsmaßnahmen zielen darauf ab, den Krankheitsfortschritt zu verlangsamen und die Lebensqualität des Tieres verbessern. (Eine Heilung ist nicht mehr möglich).

  • Muskelatrophie: Die Verlangsamung von Stoffwechselprozessen und zunehmende Trägheit führt bei alten Hunden dazu, dass die Muskelmasse abnimmt. Das verursacht bei einigen Vierbeinern Gewichtsverlust, teilweise wirken Senioren-Hunde sogar knochig. Muskelatrophie (Muskelschwund) ist bei Hunden im Alter nicht ungewöhnlich. Dennoch solltest Du achtsam sein, denn manchmal verursachen auch ernstzunehmende Altersbeschwerden den Gewichtsverlust bei Deinem Hund.
  • Inkontinenz: Einsetzende Muskelschwäche oder Schädigungen von Nervenbahnen können zu Inkontinenz bei alten Hunden führen. Ist Dein alter Hund plötzlich nicht mehr stubenrein, solltest Du zeitnah Deine Tierarztpraxis aufsuchen. Mit einer eingehenden Diagnostik lassen sich hier Krankheiten ausschließen oder erkennen. Steht der Befund fest, kann eine geeignete Therapie beginnen.   
  • Zahnprobleme: Nicht immer aufgrund des Alters, sondern oft auch wegen mangelnder Zahnpflege in jüngeren Jahren, leiden Senioren-Hunde unter Zahnstein und anderen Zahnproblemen oder dem Verlust von Zähnen. Parodontitis ist die häufigste Ursache beim Hund. Diese lässt sich nur durch professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt entfernen. Damit es nicht zu Folgeproblemen kommt, ist es wichtig, die Zähne deines Hundes durch weiches Futter und regelmäßige Kontrolltermine in der Tierarztpraxis zu unterstützen.

Psychische und neurologische Auffälligkeiten und Erkrankungen bei alten Hunden

Werden Menschen alt, können sie Vergesslichkeit und Verwirrtheit entwickeln. Und auch alten Hunden geht es da leider ähnlich: Zu den verschiedenen körperlichen Gebrechen kommt meist auch das eine oder andere neurologische Problem hinzu. Dass bei Deinem Hund eine Wesensveränderung im Alter eintritt, ist zunächst kein Grund zur Beunruhigung. Werden Vierbeiner alt, lassen es die meisten beim Spielen oder auf Gassi-Runden ruhiger angehen als noch wenige Jahre zuvor. Dazu schläft ein alter Hund viel mehr als ein jüngerer Artgenosse. 

Dennoch gibt es psychische Auffälligkeiten, die über das normale Maß typischer Alterserscheinungen bei Hunden hinausgehen und auf Erkrankungen hindeuten. Hole deshalb im Zweifel lieber tierärztlichen Rat ein, wenn Dir das Verhalten Deines alten Vierbeiners ungewöhnlich vorkommt. Denn auch im neurologischen Bereich gilt: Je früher eine sichere Diagnose gestellt wird, umso aussichtsreicher sind die therapeutischen Möglichkeiten und umso besser ist die Lebensqualität des Hundes. Zu den typischen neurologischen Hundekrankheiten im Alter gehören:

  • Vestibularsyndrom: Auch wenn das geriatrische Vestibularsyndrom mit Symptomen wie plötzlich einsetzenden Gleichgewichtsstörungen, Augenrollen, Erbrechen und Zittern erschreckt, ist diese Alterserkrankung bei Hunden gut behandelbar. Medikamente lindern die Symptome, sodass Dein alter Hund auch mit dieser Krankheit ein unbeschwertes Leben führen kann.
  • Degenerative Myelopathie: Insbesondere alte Hunde großer Rassen können an dieser genetisch bedingten Rückenmarkserkrankung leiden. Erste sichtbare Symptome dieser Alterserscheinung bei Hunden sind meist Koordinationsprobleme der Hinterläufe. Später kommen Schwierigkeiten mit den Vorderläufen hinzu. Heilungschancen gibt es bei dieser Hundekrankheit im Alter nicht. Da auch keine wirksamen Medikamente bekannt sind, sind Physiotherapie und regelmäßige Bewegung aktuell die besten Therapieansätze.
  • Demenz: Desorientierung, innere Unruhe, Verhaltensauffälligkeiten, deutlicher veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, verändertes Sozialverhalten, Inkontinenz – nur einige der typischen Anzeichen für die umgangssprachlich als Hunde-Demenz bezeichnete kognitive Dysfunktion. Bei dieser schleichend, oft über Jahre voranschreitenden Erkrankung sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab. In einem sehr frühen Stadium erkannt, ist Hunde-Demenz behandelbar – wenn auch nicht heilbar. Durch einen multimodalen Ansatz, bestehend aus Medikamenten, Anpassung der Lebensweise und der Ernährung kann das Fortschreiten der Symptome verlangsamt und die Lebensqualität Deines Hundes verbessert werden.