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Katzen und vektorübertragene Krankheiten —
Ein unterschätztes Risiko

Oft wird davon ausgegangen, dass Katzen kaum an vektorübertragenen Krankheiten (VBD) erkranken. Auch wenn sie im Vergleich zu Hunden weniger oft betroffen  sind, sind Katzen keinesfalls ungefährdet.  Klimawandel, Reise/Import, Urbanisierung und bessere Diagnostik tragen zur steigenden Prävalenzrate in Deutschland und Österreich bei. Katzen können infiziert sein, klinisch atypisch erkranken, Reservoir-Funktionen erfüllen und zoonotische Risiken bergen — schon bei subklinischen Verläufen.


  • Vektoren (Zecken, Sandmücken, Stechmücken) breiten sich geographisch aus — das Risiko steigt.
  • Häufige, aber subklinische Erreger bei Katzen in Deutschland und Österreich: Hämoplasmen und Bartonella.
  • Einige Erreger (Dirofilaria, Leishmania) wurden bisher meist importiert, zeigen aber eine steigende Bedrohung durch Vektorausbreitung.
  • Unspezifische Symptome (Fieber, Lethargie, Anämie, Haut-/Augenbefunde) verdienen Abklärung von vektorassoziierten Differentialdiagnosen.
  • Konsequente Floh- und Zecken-Prophylaxe kann Erkrankungen verhindern und zoonotische Risiken reduzieren.

  • Vektor / Übertragungsweg: Zwischenwirte sind hauptsächlich Flohlarven (vor allem Ctenocephalides felis). Katzen infizieren sich durch Verschlucken infizierter Flöhe beim Putzen; gelegentlich auch durch Aufnahme von Läusen oder anderen Arthropoden.
  • Prävalenz: Weltweit verbreitet; lokale Prävalenzen korrelieren mit Flohpopulationen und Flohprophylaxe-Compliance. Bei Freigängern und Mehrkatzenhaushalten häufigere Nachweise.
  • Klinik / Zoonose: Meist asymptomatisch. Klinische Zeichen können rektaler Pruritus, sichtbare bewegliche Wurmsegmente (Proglottiden), leichtes Gewichtsverlust und bei starkem Befall unspezifische gastrointestinalen Störungen sein. Infektionen beim Menschen sind selten, treten überwiegend bei Kleinkindern auf (Aufnahme infizierter Flöhe) — daher relevante Public‑Health‑Beratung.1
  • Diagnostik: Sichtbare, bewegliche Proglottiden im Fell/bei der Analregion sind oft diagnostisch; Kotuntersuchungen (mikroskopisch) können die charakteristischen Eierpakete (“egg packets”) nachweisen.
  • Therapie: Effektive Anthelminthika führen zur Eliminierung adulter Würmer. Bei betroffenen Beständen erneute Behandlung und lückenlose Flohkontrolle empfohlen.
  • Prophylaxe / Praxisrelevanz: Konsequente, durchgehende Flohprophylaxe aller Kontaktkatzen (Freigänger, Haushalte mit mehreren Tieren) ist entscheidend. Bei Sichtung von Proglottiden oder Flohbefall Tier und Umgebung behandeln; Tierhalter über Zoonoserisiko (vor allem für Kleinkinder) und Hygienemaßnahmen informieren. Dipylidium ist eine häufige, leicht vermeidbare Ursache von Wurmbefall bei Katzen — Bekämpfung ist integraler Teil der Flohprävention.

  • Vektor: Katzenfloh.
  • Prävalenz: Seroprävalenz in Deutschland regional 15-46%; Katzen meist asymptomatisch.2
    Klinik/Zoonose: Geringe Klinik bei Katzen, hohe zoonotische Relevanz (Katzenkratzkrankheit beim Menschen).
  • Praxisrelevanz: Wichtig für Public‑Health‑Beratung und Flohprophylaxe.

  • Vektor: Hauptsächlich Flöhe (Ctenocephalides felis oder Katzenfloh); mögliche Rolle von Zecken; auch direkte Transmission.
  • Prävalenz: 4.4 – 46.7% %.3
  • Klinik: M. haemofelis → hämolytische Anämie; andere Spezies oft subklinisch, relevant bei Immunsuppression (FIV/FeLV).3
  • Praxisrelevanz: Hoch — häufigste vektorassoziierte Erreger bei Katzen in DE/AT.

  • Vektor: Ixodes ricinus (allgegenwärtig in DE/AT).
  • Prävalenz: 15-23% bei Katzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz; nicht immer klinisch manifest.4
  • Klinik: Fieber, Lethargie, Thrombozytopenie; als Differentialdiagnose bei fieberhaften, nicht erklärten Fällen.

  • Vektor: Stechmücken.
  • Situation: Bisher vereinzelte autochthone Katzenfälle in Österreich; bei Hunden Ausbreitungstendenz.5
    Klinik: Katzen sind Fehlwirte — wenige adulte Würmer können schwere pulmonale Folgen (HARD) verursachen.
  • Praxisrelevanz: Emerging Disease; Reiseanamnese und Prophylaxe bei Import/Reisen beachten.

  • Vektor: Sandmücken (Phlebotomus spp.); Ph. mascittii bereits in Süddeutschland/Österreich nachgewiesen.6
  • Situation: Derzeit überwiegend Importfälle aus Mittelmeerraum; potenziell zunehmende Relevanz.
  • Klinik: Hautläsionen, Uveitis, gelegentlich viszeral; oft atypisch.

  • Vektor: Ixodes ricinus.
  • Prävalenz: Seropositivität möglich; klinische Borreliose bei Katzen extrem selten bis fraglich.
  • Praxisrelevanz: Monitoring sinnvoll, aber klinisch meist vernachlässigbar.

  • Hauptsächlich Forschungsrelevanz aktuell; Wildtier-Nachweise in DE/AT vorhanden, klinische Relevanz bei Hauskatzen derzeit gering.7

  • Anamnese erweitern: Freigang, Kontakt zu Hunden, Reisen/Import, frühere Floh-/Zeckenbefälle, Immunsuppressive Vorerkrankungen (FIV/FeLV), Mehrkatzenhaushalt.
  • Verdachtskriterien: Unspezifische Fieberphasen, chronische Lethargie, unklare Anämie, Hautläsionen oder Uveitis — gerade bei Freigängern oder reisenden/importierten Katzen.

Diagnostik-Empfehlung

  • PCR: bevorzugt bei akuten, fieberhaften Fällen bzw. bei Verdacht auf Hämoplasmen, Bartonella, Anaplasma, Leishmania.
  • Serologie: sinnvoll für Screening/Expositionsnachweis (Bartonella, Anaplasma, Borrelia, Leishmania), immer im klinischen Kontext interpretieren.
  • Blutausstrich: ergänzend bei hämolytischer Anämie, aber weniger sensitiv als PCR.

Prophylaxe & Management

  • Strikte Floh‑ und Zeckenkontrolle bei Freigängern (durchgehender lückenloser Schutz) 
  • Reiseberatung: Vorheriges Screening, Prophylaxe gegen blutsaugende Insekten & Mücken bei Aufenthalten in Endemiegebieten; Screening nach Rückkehr/Import.

Zoonosehinweis

  • Bartonella henselae: Katzen sind oft asymptomatische Reservoirwirte; für Menschen (Kinder, Schwangere, Immunsupprimierte) kann Infektion relevant sein. Beratung der Tierhalter: Flohkontrolle, Vermeidung von Kratzverletzungen, Hygienemaßnahmen bei Kontakt.
  • Allgemeiner Hinweis: Früherkennung und Kontrolle vektorübertragener Erreger reduzieren nicht nur das Risiko für die Katze, sondern auch für die Tierhalter und die Öffentlichkeit.

Weiterführende Information

  • Fortbildung: Empfehlenswert sind Weiterbildungen zu VBDs und lokalen Surveillance‑Ergebnissen. Forschungsgruppen in DE/AT (z. B. Vetmed Uni Wien, TiHo Hannover, Univ. Zürich) publizieren regelmäßig Updates.

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Referenzen

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Quellen

  1. Otranto, D., & Eberhard, M. L. (2011). Zoonotic helminths affecting the human eye. Parasites & Vectors, 4, 41. https://doi.org/10.1186/1756-3305-4-41
  2. Bergmann M, Englert T, Stuetzer B, Hawley J, Lappin M, Hartmann K (2017). Prevalence of Bartonella species infections in cats in Southern Germany. Vet Rec 180, 325.
  3. European Advisory Board on Cat Diseases. GUIDELINE for Haemoplasmosis in Cats — ABCD cats and vets
  4. Schäfer, Kohn et al., J Feline Med Surg. 2022 Apr; 24(4): 290-297. Doi: 10.1177/1098612X211017459. Epub 2021 Jun2.
  5. Kulmer LM, Unterköfler MS, Fuehrer HP, Janovska V, Pagac M, Svoboda M, Venco L, Leschnik M. First Autochthonous Infection of a Cat with Dirofilaria immitis in Austria. Pathogens. 2021 Aug 30;10(9):1104. doi: 10.3390/pathogens10091104. PMID: 34578137; PMCID: PMC8466588.
  6. European Center for Disease Prevention and Control, Phlebotomine sand flies – Factsheet for experts  Phlebotomine sand flies – Factsheet for experts
  7. Hodzic et al., Hepatozoon silvestris sp. nov.: morphological and molecular characterization of a new species of Hepatozoon (Adeleorina: Hepatozoidae) from the European wild cat (Felis silvestris silvestris).