Besamungszeitpunkt und Deckakt

Besamungszeitpunkt und Deckakt

Das Intervall zwischen Besamung und Ovulation hat einen entscheidenden Einfluss auf die Fertilität.

Der Deckakt oder die Besamung (Frischsperma) bis zu drei Tagen vor der Ovulation ergeben gute Trächtigkeitsraten (Sieme 2005). Besamungen 2,6 Tage vor der Ovulation erzielten die besten Fertilitätsergebnisse (Clement et al. 2000). Bei der Verwendung von Tiefgefriersperma erbrachte die Besamung im Intervall 12 Stunden vor bis 12 Stunden nach der Ovulation die besten Ergebnisse (Sieme 2005). Soll jedoch nur eine Tiefgefrierspermaportion pro Rosse verwendet werden, sollte die Besamung innerhalb von sechs bis acht Stunden nach der Ovulation erfolgen (Sieme 2005).

Durch den Einsatz von speziellen Hormonpräparaten kann sowohl der Zeitpunkt der Rosse als auch der Ovulation gesteuert und damit besser vorhersagbar gemacht werden. Mit der Applikation von hCG (humanem Choriongonadotropin) bei einem Follikeldurchmesser von 4 cm wird die Ovulation medikamentell induziert. Die Mehrzahl der Stuten ovuliert innerhalb von 36 Stunden. Beim Einsatz von Frischsamen wird 24 Stunden nach der Injektion besamt. Mit Tiefgefriersperma wird nach 12-stündiger Kontrolle spätestens 36 Stunden nach der hCG-Injektion besamt, sofern die Stute nicht schon vorher ovuliert hat.

Vor der Bedeckung oder der Besamung sollte stets eine Zuchttauglichkeitsuntersuchung der Stute einschließlich einer Tupferprobeentnahme durchgeführt werden. Lediglich Stuten in der Fohlenrosse und junge Maidenstuten gelten anamnestisch als unverdächtig.

Die Bedeckung der Stute im Natursprung kann entweder auf der Weide stattfinden, wobei es schwierig ist, eine erfolgreiche Bedeckung von mehreren Stuten in einer Herde durch den mitlaufenden Hengst zu gewährleisten. Häufiger wird der Hengst deshalb an der Hand an die Stute herangeführt. Voraussetzung hierfür ist, dass sich die Stute in der Rosse befindet und paarungswillig ist. Die Paarungsbereitschaft wird mit Hilfe eines Hengstes am besten hinter einer so genannten Probierwand, die Hengst und Personen vor eventuellen Tritten der Stute schützt, abprobiert. Steht, blitzt und schleimt die Stute, werden bei der Stute die notwendigen Vorbereitungen und Sicherheitsmaßnahmen für den Deckakt getroffen. Wichtig sind neben geschultem Personal folgende Maßnahmen:

  • Fachgerechtes Ausbinden der Stute
  • Bandagieren der Schweifrübe
  • Reinigung der Schamlippen mit trockenem Zellstoff
  • Evtl. Anlegen einer Oberlippenbremse (Stute)
    (Bader 2005)

Der Hengst ist durch eine geübte Person, die aus Sicherheitsgründen einen Schutzhelm tragen sollte, mit einer ausreichend langen Führkette an die Stute heranzuführen.