Anmelden (Login) Registrierung

Sexualzyklus der Stute

Eine wesentliche Voraussetzung für die Fruchtbarkeit einer Stute ist ein ungestörter, physiologischer Sexualzyklus (Klug 2003). Der Sexualzyklus setzt mit der Geschlechtsreife des Individuums ein. Stuten sind mit etwa 18 Monaten geschlechtsreif. Bei Tieren, die spät im Jahr geboren wurden, kann die Geschlechtsreife aber mit zunehmender Tageslichtlänge im zweiten Lebensjahr auch schon früher auftreten. Außerdem beeinflusst die Ernährung den Zeitpunkt der Geschlechtsreife (Handler und Aurich 2005). Da die körperliche Verfassung eine positive Korrelation zur Aktivität der Eierstöcke besitzt (Busch 2005), kann umgekehrt das Einsetzen der Pubertät durch eine restriktive Fütterung im zweiten Lebenshalbjahr verzögert werden (Handler und Aurich 2005). Auch die Aufzuchtbedingungen beeinflussen den Einritt der Geschlechts- und Zuchtreife. Die Zuchtreife erlangen Stuten dagegen je nach Rasse und sportlicher Nutzung der Tiere erst mit drei Jahren oder später (Busch 2005).

Zuchtsaison und Zyklusruhe
Pferde sind saisonal fortpflanzungsaktiv. In der Fachsprache nennt man diesen Fortpflanzungszyklus saisonal polyöstrisch (Busch 2005). Die biologische Fortpflanzungssaison des Pferdes beginnt auf der nördlichen Erdhemisphäre im Frühjahr (Kluge 2003). Von der Zuchtsaison spricht man von April/Mai bis September (Busch 2005). Unter Wildbedingungen werden dann die Fohlen im Frühjahr und im Sommer des Folgejahres geboren, wenn für ihr Überleben günstige Umweltbedingungen herrschen. Im Winter ist der Sexualzyklus bei der Mehrzahl der Stuten unterbrochen. Diese so genannte Zyklusruhe, die auch saisonaler Anöstrus genannt wird, kann bei den Tieren zwischen wenigen Wochen und einigen Monaten andauern. Bei den meisten Stuten dauert sie von Dezember bis einschließlich Februar. Jedoch wird ihre Dauer von den Haltungsbedingungen sowie von der Rasse beeinflusst (Handler und Aurich 2005). Bei jüngeren Stuten im Alter von bis zu fünf Jahren kann häufig ein früheres Einsetzen der Zyklusruhe beobachtet werden (Handler und Aurich 2005). Einige Stuten ovulieren dagegen das ganze Jahr hindurch. Sie zeigen jedoch keine Rossesymptome während der Zyklusruhe (Busch 2005).
In der Regel wird die Zyklusruhe durch die abnehmende Tageslichtlänge eingeleitet. Mit Beginn des Frühjahrs und kontinuierlich zunehmender Tageslichtlänge, kommt der Sexualzyklus der Stute langsam wieder in Gang (Klug 2003, Busch 2005). Zu Beginn der Fortpflanzungssaison (Februar bis April) ist der Zyklusverlauf jedoch meist noch etwas unregelmäßig (Webel und Squires 1982; Busch 2005). Die Rosse ist in der Regel verlängert (20-30 Tage) und führt nicht immer zur Ovulation (Webel und Sqiures 1982; Handler und Aurich 2005). Nach Ansicht von Coenen (2003) reflektiert die Saisonalität der Ovartätigkeit (Abb. 1) die unterschiedliche Energiezufuhr. In den letzten Monaten des Jahres ist eine niedrigere Energieaufnahme (nur wenig oberhalb des Erhaltungsbedarfs mit einer Zyklusruhe verbunden. Dieser folgt dann mit einem Anstieg der Energieaufnahme die Stimulation der Ovartätigkeit. Entsprechend kann ein Energiedefizit die Dauer der Zyklusruhe verlängern (Coenen 2003).

Dauer des Sexualzyklus
Der Sexualzyklus der Stute wird hormonell gesteuert und kann in die Zwischenrosse (Diöstrus) und die Rosse (Östrus) unterteilt werden. Die mittlere Dauer des Zyklus beträgt 21-22 Tage (Handler und Aurich 2005; Busch 2005). Bei Ponys ist der Zyklus etwa 2 Tage länger als bei Stuten großrahmiger Rassen. Gerade die Dauer der Rosse ist sehr variabel und kann zwischen 3 und 14 Tagen schwanken. Die mittlere Rossedauer beträgt 7 Tage. Im Unterschied zur Rossedauer ist die Gesamtdauer des Zyklus recht konstant. Das bedeutet, einer kurzen Rosse folgt eine längere Zwischenrosse und umgekehrt. Die mittlere Dauer der Zwischenrosse wird mit 14-16 Tagen angegeben (Handler und Aurich 2005).

Rosse (Östrus)
Während sich die Tiere im Diöstrus unauffällig verhalten, zeigen sie im Östrus charakteristische Verhaltensweisen, die die Paarungsbereitschaft symbolisieren. So duldet die Stute in der Rosse nicht nur die Nähe eines Hengstes, sondern drängt nach Möglichkeit sogar aktiv zu ihm hin. Hat die Stute Kontakt zu dem Hengst, stellt sie die Hinterbeine breit und hebt den Schweif und hält ihn zur Seite. Dabei blitzt sie mit der Klitoris (Kitzler) und setzt kleinere Mengen mit Schleim vermengten Harn ab (Handler und Aurich 2005, Klug 2003). Sie „steht, schleimt und blitzt“.
Ein einzelnes dieser drei Kriterien kann jedoch nicht zum Rossebeweis herangezogen werden (Klug 2003). In jedem Falle sollte die Stute zum Abprobieren an den Hengst herangeführt werden. Um die Gesundheit von Hengst, Stute und den Anwesenden nicht zu gefährden, müssen dabei die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden.
Es sei aber auch erwähnt, dass die Stute ihr Verhalten trotz endogener hormoneller Steuerung beeinflussen kann. Entsprechend sind die oben beschriebenen typischen Verhaltensweisen nicht bei jeder Stute in der Rosse zu beobachten. Gerade junge oder unerfahrene Stuten rossen oft nicht offensichtlich. Auch eine individuelle Abneigung der Stute gegenüber dem Hengst kann ein Abschlagen des Hengstes trotz Rosse zur Folge haben. Ein weiterer Grund für ein unterdrücktes Rosseverhalten können schlechte oder schmerzhafte Erfahrungen der Stute beim Decken etwa durch zwanghafte Bedeckung außerhalb der Rosse sein.

Ovulation
Während in der Zwischenrosse zuerst mehrere kleine Follikel auf den Eierstöcken fühlbar sind, die zum Ende der Zwischenrosse deutlich wachsen und als Follikelwelle bezeichnet werden, dominiert während der Rosse auf einem der Eierstöcke ein Follikel von meist 3-5 cm Durchmesser oder mehr. Der so genannte Rossefollikel nimmt im Verlauf der Rosse an Größe und Umfang zu und reift, während er das weitere Wachstum der übrigen Follikel unterdrückt. Schließlich kommt es am letzten oder vorletzten Tag der Rosse durch bestimmte Enzyme zu einer Reduzierung des Widerstandes der Follikelwand und danach zur Freisetzung der Eizelle aus dem Follikel (Ovulation) (Handler und Aurich 2005). Dieser Vorgang wird hormonell durch den so genannten LH-Peak ausgelöst. Der Zeitpunkt der Ovulation ist Schwankungen unterworfen (Busch 2005). In der Regel findet die Ovulation 24 (bis 48) Stunden vor Ende der Rosse statt (Busch 2005; Handler und Aurich 2005, Intervet). Selbst für den Tierarzt ist der genaue Zeitpunkt der Ovulation trotz rektaler oder vaginaler Untersuchung schwierig vorhersagbar.

Zwischenrosse (Diöstrus)
An die Rosse schließt sich die so genannte Zwischenrosse (Diöstrus, Lutealphase) an. Sie dauert im Mittel 14 -16 Tage und ist durch den aus der Follikelgrube hervorgehenden Gelbkörper (Corpus luteum) gekennzeichnet. Seine Aufgabe besteht in der Synthese und der Abgabe des Hormons Progesteron. Dieses bereitet die Gebärmutter für die Aufnahme eines Embryos vorbereitet. Bei ausbleibender Befruchtung bildet sich das Corpus luteum durch die Freisetzung von Prostaglandin F2α (PGF2α) aus der Gebärmutterschleimhaut zurück.
Gleichzeitig kommt es etwa 12 Tage vor der Ovulation im Diöstrus zur Anbildung einer neuen Follikelwelle. Durch die Hormone LH und FSH wird aus dieser Follikelwelle ein Follikel selektiert. Dieser so genannte Rossefollikel reift und produziert mit zunehmendem Wachstum mit Beginn der Rosse ein Östrogen (Östradiol-17ß), wodurch es zur Ausbildung der äußeren und inneren Rossesymptome kommt (Handler und Aurich 2005).
Ab und an kommt es vor, dass ein dominanter Follikel bereits während der Zwischenrosse ovuliert. Dadurch kann sich ein so genannter persistierender Gelbkörper ausbilden, der durch die Synthese von Progesteron das Einsetzen der Rosse über Wochen bis Monate verhindert (Handler und Aurich 2005).

Der Deckakt oder die Besamung (Frischsperma) bis zu drei Tagen vor der Ovulation ergeben gute Trächtigkeitsraten (Sieme 2005). Besamungen 2,6 Tage vor der Ovulation erzielten die besten Fertilitätsergebnisse (Clément et al. 2000). Bei der Verwendung von Tiefgefriersperma erbrachte die Besamung im Bereich 12 Stunden vor bis 12 Stunden nach der Ovulation die besten Ergebnisse (Sieme 2005). Soll jedoch nur eine Tiefgefrierspermaportion pro Rosse verwendet werden, sollte die Besamung innerhalb von sechs bis acht Stunden nach der Ovulation erfolgen (Sieme 2005). Dadurch wird gewährleistet, dass die Ovulation auf jeden Fall stattgefunden hat. Die Eizelle ist ca. 8 Stunden befruchtungsfähig. Daher muss von einer späteren Besamung abgeraten werden.
Durch den Einsatz von speziellen Hormonpräparaten kann sowohl der Zeitpunkt der Rosse als auch der Zeitpunkt der Ovulation gesteuert und damit besser vorhersagbar gemacht werden.

War die Befruchtung erfolgreich, bildet sich ein Trächtigkeitsgelbkörper aus.

Fohlenrosse
Bei den meisten Tierarten tritt eine natürliche Unterbrechung des Sexualzyklus während der Laktation ein. Bei der Stute hingegen kommt es bereits wenige Tage nach der Geburt (post partum, p.p.) zu einer intensiven Follikelanbildung. Dadurch wird zwischen dem 8. und dem 11. Tag p.p. die Fohlenrosse ausgelöst. Die Körperkondition der Stute beeinflusst das Intervall von der Geburt bis zur ersten Ovulation nach der Geburt (Busch 2005).
Dabei bewirkt eine eingeschränkte Energieversorgung nach dem Abfohlen einen deutlichen Verlust an Körperfett, wodurch die weitere Ovulationstätigkeit verzögert und die Trächtigkeitsrate vermindert wird (Coenen 2003).